“Barfuss” oder minimal Schuhe im Dauereinsatz: Saucony Hattori

In den Zeiten in denen das reine Laufen ohne Fußbekleidung einfach zu kalt, der Boden zu grauselig oder die Haut einfach schon zu strapaziert ist, setze ich zum Laufen gerne minimales Schuhwerk ein (anderes eh nicht). Hierbei habe ich mich im Laufe der Zeit an die Saucony Hattori gewöhnt von denen ich ein Paar im regelmäßigen Einsatz habe. Bisher bin ich mit diesen “Barfuss-Schuhen” gut 400km gelaufen, das ist vermutlich mehr als vom Erfinder vorgesehen ist. Die Industrie versucht uns ja im Regelfall klar zu machen, das die Minimal-Schuhe nur als Dritt bzw. Viert-Laufschuhpaar eingesetzt werden sollen, für leichte Trainingseinheiten wenn es hochkommt und man primär auf die gedacht höher wertigen und vor allem teureren Modelle zurückgreifen soll.
Continue reading »

Share

Du bist nicht allein: Laufbericht 2. Barfuss-Lauf in Großolbersdorf

An komische Blicke und Kommentare hat man sich als Barfuss-Läufer und (erst recht als Alltags-Barfüssler) nach einiger Zeit ja gewöhnt und findet das zeitweise sogar amüsant. Interessant ist es aber dann festzustellen, das man auch in Deutschland neben dem wenn auch englischsprachigen einschlägigen Forum Barfoot Runners Society mit diesem Hobby nicht allein ist. Ab und zu spiel ich da quasi SETI. Eine permanente Suche bei Twitter nach dem Begriff Barfuss brachte neulich einen Tweet auf den Schirm, welcher einen Lauf mit dem verheissungsvollen Titel ‘Barfuss-Lauf‘ hervorbrachte. Dieser findet am ersten Samtag im Juni (dieses Jahr am 04.06.2011) in Großolbersdorf, einer Gemeinde im Erzgebirge in Sachsen statt. Ich erfuhr von diesem Lauf erst am Mittwoch den 1. Juni und musste kurz die Pläne für das folgende Wochenende sowie die Kompatibilität meiner Familie überprüfen – aber der Entschluss stand dann doch schnell fest – die 300km fahre ich da jetzt einfach mal hin und laufe mit.

An Strecken gab es 4.2 und 9.4km zur Auswahl – für mich klar die 9.4km. Für den darauf folgenden Sonntag hatte ich zwar für den Potsdamer Schlösserlauf in der Halbmarathon-Distanz gemeldet, aber da schadet ein knapp 10er Lauf am Tag davor sicher auch nicht. Bei beiden Läufen ging es mir definitiv nicht um eine Bestzeit.

Schnell noch am Freitag eine Online-Anmeldung abgesetzt, für die Einzahlung des Startgeldes von 13€ per Überweisung war es von Freitag auf Samstag schon zu spät, geht sicher auch vor Ort dachte ich mir (ging auch problemlos).

Da die Abholung der Startunterlagen des für 15:00 terminierten Laufs auf die Zeit von 09:30-12:00 bechränkt war und 300km Fahrstrecke ja auch Unwägbarkeiten beinhalten, entschied ich mich bereits am Freitag Nachmittag in Richtung Erzgebirge zu fahren und organisierte uns flux eine Unterkunft in einem Hotel keine 5km vom Ort des Laufes entfernt.

Am Freitag fuhren wir dann ohne jede Schwierigkeit runter nach Sachsen, checkten in das beschauliche Hotel ein und verbrachten den Abend bei perfekt gebratener Forelle mit einem Schoppen Sächsischem Weißwein in wunderschönem Sommerwetter. Vorher musste allerdings noch das örtliche Glückauf-Bier probiert werden.

Glückauf Bier

Glückauf Bier


Das schmeckt in der von mir getesteten dunklen Art sehr lecker!

Was mir bereits auf den letzten 50km der Anfahrt auffiel ist, das der Begriff “Gebirge” im Wort Erzgebirge durchaus ernst zu nehmen war. Rampen mit 12-16% Steigung fand ich im ausreichend motorisierten Auto recht witzig aber mich überkamen dann doch leichte Zweifel inwiefern der Lauf denn nicht doch einfach nur anstrengend werden könnte. Waren da etwa Höhenmeter mit eingeplant ?

Ortsschild Großolbersdorf

Angekommen in Großolbersdorf


Am nächsten Morgen dann ab nach Großolbersdorf, Startnummer holen. Der Ort ist – entgegen dem Namen – nicht groß und folglich der Startbereich am Rathaus einfach zu finden, Parkplatz war kein Problem. Vor Ort eine sehr freundliche Crew welche die kurzen Formalitäten schnell erledigt und schon hatte mich meine Startnummer in Form eines Shirts (147) in der Hand. Die Größe (XXL) war für meine Verhältnissse nicht wirklich eng anliegend aber funktionierte.
Barfuss Lauf Startnummer

Meine Startnummer



Die um die Zeit dort herum laufenden wenigen Menschen waren – seltener Anblick – im wesentlichen Barfuss unterwegs (da fiel ich mal nicht auf), man fühlte sich sofort wohl.

Wir hatten noch mehr als 4 Stunden bis zum Start um 15:00 und hatten uns überlegt, ein örtliches Besucherbergwerk anzusehen. Bei meinem letzten Versuch, so etwas in Form des Bergbaumuseums in Bochum zu betreten landete ich statt im Bergwerk im Krankenhaus mit einem angeblich gebrochenen Ellenbogen, ist 30 Jahre her und eine andere Geschichte. Also ab über die Bergstraßen zum Bergwerk, einfahren, genießen und wieder zurück nach Großolbersdorf. Schön kühl in einem solchen Bergwerk. Vorsicht mit den Füßen im Bergwerk, Fivefingers oder Huaraches empfohlen.
Einfahrt Besucherbergwerk

Die Einfahrt zum Besucherbergwerk



Vor Ort hatten wir noch ausreichend Zeit für ein ruhiges Mittagessen im örtlichen Gasthof zur Linde (Seehecht gebraten mit Spinat für 10.95€, sehr lecker) und dann ging es ab zum Start. Es war sehr warm, angenehm beim draußen sitzen und Essen, eher anstrengend beim Laufen – 27 Grad im Schatten hatte es.
Barfuss Lauf Start

Start des Barfuss Laufs in Großolbersdorf



Es hatten sich auf den verschiedenen Distanzen (4.2 km, 9.4km) 38 Leute für den Barfuss-Lauf angemeldet. Eine kleine und familiäre Veranstaltung also – finde ich gut, ich mag kleine Läufe.

Nach dem Startschuss durch den Bürgermeister von Großolbersdorf setzte sich das Feld in Bewegung. Nach einer kurzen kleinen Erhebung auf Asphalt durch den Ort, einem starken Gefälle auf einen Hof von welchem sich die Strecke dann über einen Wirtschaftsweg auf die Felder um den Ort fortsetzte ging es dann – wie befürchtet – erstmal aufwärts. Das waren vielleicht 20 Höhenmeter, nichts ernstes aber dennoch genug um den Körper deutlich in die Betriebstemperatur zu jagen. Der Anstieg fand auf einem kurz gemähten Feld statt, kitzelt ein wenig aber war deutlich angenehmer als der schotterige Wirtschaftsweg daneben.

Weiter ging es über Felder und Wirtschaftswege mit teilweise eingearbeiteten verschiedenen Untergründen (man muss den Füßen ja was anbieten) feiner Sand, im späteren Verlauf dann auch Stroh. Am Wendepunkt für die 4.2km Läufer gab es eine Wasserstelle und danach ging es dann auf einem Feldweg abwärts – und zwar deutlich abwärts. Mehr als man in Berlin am Stück abwärts laufen kann. Psychologisch geschickt um die Kurve ab und zu, so das man die volle Abwärts-Strecke nicht gleich sah. (Als Flachlandberliner ist man sowas einfach nicht gewöhnt).

Abwärts laufen ist für Barfuss-Läufer ja eigentlich einfacher als für Schuh-Läufer. Schön in die Knie und einfach rollen lassen. Man muss allerdings irgendwie lernen mit dem langen Abwärts umzugehen – denn man wird dann dabei immer schneller und kontrollierte Kadenz hat ihre Grenzen bei fliegenden Massen wie Beinen mit Füßen dran.

Unterwegs wechselte der Feldweg in Wald mit Wurzeln, nasser Erdboden in der Nähe eines Bachs (sehr angenehm) mit der kurzen Überlegung vielleicht einfach die Füße in den Bach zu stellen oder ganz rein zu springen – nein, war ja ein Wettkampf, also weiter. Es ging im wesentlichen immer noch Abwärts und wurde zum Ende der Wendestrecke hin dann flach. An der Wendestelle wieder eine Verpflegungsstelle mit Wasser und dann ging es den Weg zurück. Und zurück heißt dann Aufwärts, deutlich mehr als man am Teufelsberg, Willi oder Schäferberg so schafft am Stück in Berlin. Sehr anstrengend für jemanden der das genau gar nicht gewöhnt ist.

Der Bergauf-Lauf zwang mich dann zeitweise in ein Bergauf-Gehen, das war nicht zu vermeiden. Bei der nachfolgenden Auswertung des Garmin-Logs fand ich dann auch die “Flatline” an der HRmax an der Stelle an der ich ins Gehen verfiel. Abgesehen von der generellen Anstrengung hat man als Barfuss-Läufer ja auch noch die Notwendigkeit ‘CPU-Zeit’ frei zu haben, um die Füße mit Geschick zu positionieren. Diese ‘CPU-Zeit’ war zu dem Zeitpunkt dank Sauerstoff-Schuld nicht mehr verfügbar, das wurde gefährlich für die Extremitäten – also definitiv langsam.

Die Anstiege waren auch überwunden und dann ging es fröhlich abwärts zurück mit Stop an der Wasserstelle und in den Ort, um den Dorfteich ins Ziel.

Dorfteich Großolbersdorf

Der Dorfteich in Großolbersdorf


Rund 51 Minuten für die 9.4km sollten es am Ende sein. Nicht sensationiell aber ich war auch nicht für die Zeit da und mit Bergen muss ich mich wohl noch anfreunden.
Jörn im Ziel

Erschöpft im Ziel des Barfuss Laufs



Die Strecke bei GPSies. Man beachte das Höhenprofil.



Am Ende kamen alle gute ins Ziel und der schnellste Barfuss-Läufer war mit etwas über 40 Minuten sogar schneller als der schnellste Mit-Schuh Läufer des 10 Minuten nach dem Barfuss-Lauf gestarteten Vereinslaufes welcher mit Schuhen gelaufen wurde. In meiner Altersklasse reichte es für mich für den 4. Platz (von 7) mit deutlichen 5 Minuten Abstand zum Treppchen.

Die Füße waren in gutem Zustand und und auch gar nicht so dreckig, war ja auch trocken!
Barfuss Lauf Füße danach

Füße nach dem Lauf



Ich fand es eine nette und gelungene Veranstaltung und ich werde sie mir für das nächste Jahr wieder auf den Plan setzen. Es war anstrengend, gab aber keine Schäden oder Schwierigkeiten für mich beim Potsdamer Schlösserlauf am nächsten Tag (den ich leider noch mit Schuhen laufen musste, so weit komme ich ohne noch nicht).

Nunmehr noch eine Galerie mit allen Bildern die meine Tochter so von Läufern in der Nähe des Start- und Zielbereiches gemacht hat. Wer ein Bild in voller Auflösung haben möchte bitte einfach eine Email an mich. Wer ein Bild hier nicht auf der Webseite haben möchte bitte ebenso, es wird dann sofort entfernt. Die Email-Adresse findet sich im Impressum.

Share

Barfuss Laufen im Wettkampf – 30. Küstenwaldlauf

Ich verbrachte Ostern an der Ostsee und im Rahmen meiner Aktivitäten im Bereich des Barfuss-Laufens entschied ich mich meine eigentlich erst für Juli geplante Barfuss-Teilnahme an einem Wettkampf ein wenig vorzuziehen.

Nach kurzer Suche fand ich den Küstenwaldlauf in Warnemünde welcher mir mit einer Distanz von 10km gerade in die Vorbereitung passte. Gerade einmal 2 Wochen nach meiner Teilnahme am Vienna City Marathon liess sich so eine Strecke auch verantworten.

Gedacht, gemacht – Anmeldung raus. Das Startgeld von völlig im Rahmen befindlichen 7 € überwiesen. Der 30.4. mit dem Lauf konnte kommen – aber halt, hmm, sind meine Füße und ich denn auch wirklich bereit 10 km Barfuss im Wettkampf zu laufen – wie sieht der Untergrund aus, sind da fiese Schotterstrecken oder gar schlimmeres Teil des Laufs ?

Nach kurzem Schauen auf die Webseite entschied ich mich vor Ort einfach nachzusehen und bin hingefahren, um die Strecke Barfuss im Voraus mal abgelaufen.Wie sich dabei herausstellte geht es die ersten ca. 500m über schlechten Asphalt, dann ca. 3 km über die Uferpromenade (rauhe Fliesen) und dann in zwei Runden über ca. 2.4km einen Sandweg mit Schotter und Asphalt- bzw. Pflaster resten entlang und dann noch einmal 1km über einen asphaltierten Radweg+Pflastersteine. Ich bin das dann alles zum ausprobieren mit gemütlichen 5:45er Schnitt entlanggelaufen. Am Ende waren die Füße noch ganz und die Menge Reiz hielt sich in Grenzen. Der Asphalt-Teil hat sogar richtig Spaß gemacht, da habe ich mal probiert ein wenig Gas zu geben. Es gab eine Menge merkwürdige Blicke und erstaunte Kommentare der Passanten aber das bin ich mittlerweile gewöhnt, ehrt sogar irgendwie.

Der Tag des Rennens konnte also kommen. Am Morgen des 30.4. habe ich mich dann gegen 09:00 Uhr aus Graal-Müritz auf den Weg gemacht – mit dem Auto durch den Warnowtunnel und dann zum Sportplatz auf dem der Start stattfand. Es gab hervorragend organisierte Parkflächen und auch ausreichende und saubere Sanitäre Anlagen. Hier ein großes Lob an die Organisation. Nach dem Einsammeln der Startnummer nebst eingebautem Transponder (meine war die 1213) ging ich dann gegen 10:15 Uhr in Richtung des Startplatzes. Dort stellte ich mich im hinteren Bereich des Feldes an, denn mein Ziel war die Barfuss-Erfahrung nicht die Zielzeit. Im Startfeld kamen mir einige andere Läufer durchaus bekannt vor, das kann am Schneckenlauf oder der Rostocker Marathon Nacht gelegen haben an dem ich in der Umgebung auch schon teilgenommen habe.

Nach dem nicht zu hörenden Startschuss (plötzlich liefen alle los, gut ich dann auch) ging es also auf die Piste. Größte Obacht galt neben dem obligatorischen Blick auf den Boden und dem Ausweichen aller Hindernisse dem Umstand das mir möglichst keiner auf die nackten Füße treten sollte.

Jörn im Starterfeld

Im engen Starterfeld, Bild: sprintefix.de

Nach den ersten 500m kam das Feld dann auf der Uferpromenade an wo ausreichend Platz herrschte und es begann sich zu entzerren. Nach weiteren ca. 800m in verhaltenem Tempo fing ich langsam an meinen Füßen und Fähigkeiten zu vertrauen und begann die Geschwindigkeit anzuziehen, eher automatisch als geplant.

Auf der Uferpromenade

Auf der Uferpromenade, Bild foto-eye.de

Auf den letzten gut 1000m ging ich mit dem Tempo sogar deutlich hoch, so das ich da mit einem unter 5er Schnitt durch die Gegend rannte und das barfuss auf Asphalt. Ins Ziel kam ich dann mit knapp 51:30, was keine gute Zeit für 10km ist aber wie ich finde eine gute Zeit für den ersten Wettkampf mit “ohne Schuhe” ist.

Jörn Im Ziel des Küstenwaldlaufs

Im Ziel nach 51:30 bei 10km. Bild: foto-eye.de

Auch während des Laufs gab es von anderen Teilnehmern und auch von Zuschauern positives Feedback und erstaunte Kommentare. Bei diesem Lauf war ich der einzige ohne Schuhe, ich denke mal es wird in Zukunft mehr von uns geben :)

Als Fallout gab es zwei Tage Wadenschmerzen (lies: Muskelkater) und ein wenig geknechtete Fersen, offenbar muss ich bei höherer Geschwindigkeit noch an der Sauberkeit des Laufstils arbeiten.

Fazit: Hat jede Menge Spaß gemacht und war mit Sicherheit nicht das letzte Mal mit “ohne”. Es dauert einige Zeit, bis man in die Stabilität und Reiztoleranz der nackten Füße wirklich akzeptiert und sich traut ein wenig schneller an sowas heran zu gehen.

Weiterhin muss ich natürlich drauf aufpassen nicht dem TMTS (Too Much Too Soon – zu viel zu früh) zu verfallen, sonst passiert es wie nach dem Berlin Marathon letztes Jahr und dem viel zu aggressiven rangehen an das Thema Minimal-Schuhe.

Share