Barfuss Laufen im Wettkampf – 30. Küstenwaldlauf

Ich verbrachte Ostern an der Ostsee und im Rahmen meiner Aktivitäten im Bereich des Barfuss-Laufens entschied ich mich meine eigentlich erst für Juli geplante Barfuss-Teilnahme an einem Wettkampf ein wenig vorzuziehen.

Nach kurzer Suche fand ich den Küstenwaldlauf in Warnemünde welcher mir mit einer Distanz von 10km gerade in die Vorbereitung passte. Gerade einmal 2 Wochen nach meiner Teilnahme am Vienna City Marathon liess sich so eine Strecke auch verantworten.

Gedacht, gemacht – Anmeldung raus. Das Startgeld von völlig im Rahmen befindlichen 7 € überwiesen. Der 30.4. mit dem Lauf konnte kommen – aber halt, hmm, sind meine Füße und ich denn auch wirklich bereit 10 km Barfuss im Wettkampf zu laufen – wie sieht der Untergrund aus, sind da fiese Schotterstrecken oder gar schlimmeres Teil des Laufs ?

Nach kurzem Schauen auf die Webseite entschied ich mich vor Ort einfach nachzusehen und bin hingefahren, um die Strecke Barfuss im Voraus mal abgelaufen.Wie sich dabei herausstellte geht es die ersten ca. 500m über schlechten Asphalt, dann ca. 3 km über die Uferpromenade (rauhe Fliesen) und dann in zwei Runden über ca. 2.4km einen Sandweg mit Schotter und Asphalt- bzw. Pflaster resten entlang und dann noch einmal 1km über einen asphaltierten Radweg+Pflastersteine. Ich bin das dann alles zum ausprobieren mit gemütlichen 5:45er Schnitt entlanggelaufen. Am Ende waren die Füße noch ganz und die Menge Reiz hielt sich in Grenzen. Der Asphalt-Teil hat sogar richtig Spaß gemacht, da habe ich mal probiert ein wenig Gas zu geben. Es gab eine Menge merkwürdige Blicke und erstaunte Kommentare der Passanten aber das bin ich mittlerweile gewöhnt, ehrt sogar irgendwie.

Der Tag des Rennens konnte also kommen. Am Morgen des 30.4. habe ich mich dann gegen 09:00 Uhr aus Graal-Müritz auf den Weg gemacht – mit dem Auto durch den Warnowtunnel und dann zum Sportplatz auf dem der Start stattfand. Es gab hervorragend organisierte Parkflächen und auch ausreichende und saubere Sanitäre Anlagen. Hier ein großes Lob an die Organisation. Nach dem Einsammeln der Startnummer nebst eingebautem Transponder (meine war die 1213) ging ich dann gegen 10:15 Uhr in Richtung des Startplatzes. Dort stellte ich mich im hinteren Bereich des Feldes an, denn mein Ziel war die Barfuss-Erfahrung nicht die Zielzeit. Im Startfeld kamen mir einige andere Läufer durchaus bekannt vor, das kann am Schneckenlauf oder der Rostocker Marathon Nacht gelegen haben an dem ich in der Umgebung auch schon teilgenommen habe.

Nach dem nicht zu hörenden Startschuss (plötzlich liefen alle los, gut ich dann auch) ging es also auf die Piste. Größte Obacht galt neben dem obligatorischen Blick auf den Boden und dem Ausweichen aller Hindernisse dem Umstand das mir möglichst keiner auf die nackten Füße treten sollte.

Jörn im Starterfeld

Im engen Starterfeld, Bild: sprintefix.de

Nach den ersten 500m kam das Feld dann auf der Uferpromenade an wo ausreichend Platz herrschte und es begann sich zu entzerren. Nach weiteren ca. 800m in verhaltenem Tempo fing ich langsam an meinen Füßen und Fähigkeiten zu vertrauen und begann die Geschwindigkeit anzuziehen, eher automatisch als geplant.

Auf der Uferpromenade

Auf der Uferpromenade, Bild foto-eye.de

Auf den letzten gut 1000m ging ich mit dem Tempo sogar deutlich hoch, so das ich da mit einem unter 5er Schnitt durch die Gegend rannte und das barfuss auf Asphalt. Ins Ziel kam ich dann mit knapp 51:30, was keine gute Zeit für 10km ist aber wie ich finde eine gute Zeit für den ersten Wettkampf mit “ohne Schuhe” ist.

Jörn Im Ziel des Küstenwaldlaufs

Im Ziel nach 51:30 bei 10km. Bild: foto-eye.de

Auch während des Laufs gab es von anderen Teilnehmern und auch von Zuschauern positives Feedback und erstaunte Kommentare. Bei diesem Lauf war ich der einzige ohne Schuhe, ich denke mal es wird in Zukunft mehr von uns geben :)

Als Fallout gab es zwei Tage Wadenschmerzen (lies: Muskelkater) und ein wenig geknechtete Fersen, offenbar muss ich bei höherer Geschwindigkeit noch an der Sauberkeit des Laufstils arbeiten.

Fazit: Hat jede Menge Spaß gemacht und war mit Sicherheit nicht das letzte Mal mit “ohne”. Es dauert einige Zeit, bis man in die Stabilität und Reiztoleranz der nackten Füße wirklich akzeptiert und sich traut ein wenig schneller an sowas heran zu gehen.

Weiterhin muss ich natürlich drauf aufpassen nicht dem TMTS (Too Much Too Soon – zu viel zu früh) zu verfallen, sonst passiert es wie nach dem Berlin Marathon letztes Jahr und dem viel zu aggressiven rangehen an das Thema Minimal-Schuhe.

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Von voll gedämpft auf minimal in drei Wochen

Disclaimer: Nicht zur Nachahmung empfohlen!

Nach meinem (für meine Verhältnisse) erfolgreichen Finish des Berlin Marathons nach 3h58m hatte ich neben den üblichen Folgen eines Marathon-Laufes (latenter Muskelkater, andere kleine Blessuren) mit einem Problem am linken Fuß zu kämpfen welches das Anziehen meiner normalen Laufschuhe (Adistar Ride 2 zu dem Zeitpunkt) verhinderte. In meinen Alltags-Schuhen, den Fivefingers konnte ich mich jedoch schmerzfrei bewegen.

Nun sah meine Laufplanung 14 Tage nach dem Berlin-Marathon den Asics Grand 10 und eine Woche später den Mizuno Half Marathon in Amsterdam vor. Eigentlich kein Problem, das Jahr davor funktionierte ein ähnliches Pensum problemlos und man will ja dann irgendwie auch mitmachen wenn man schon angemeldet ist. An Laufen in normalen Schuhen war schmerzbedingt nicht zu denken und so fiel der Entschluss – da dies schmerzfrei möglich war – in FiveFingers zu trainieren.
Ich hatte im Sommer bereits einige kurze Trainingsläufe damit gemacht und mich zumindest durch die ersten Blasen und Wadenschmerzen ohne bleibende Schäden durch gequält.
In den zwei Wochen nach dem Berlin Marathon kam ich so auf gute 50 km Trainingspensum vor dem Asics 10, der längste Lauf drei Tage vorher war bei 8 Kilometer. Am Tag vor dem Lauf testete ich meine Kompatibilität mit normalen Laufschuhen aber dies wurde mit sofortigem Schmerz bestraft, insofern stand die Entscheidung fest – ich gehe in FiveFingers an den Start, zum ersten Mal in einer größeren Veranstaltung.

Am Tag des Laufs die ganz normale Routine, außer das der Chip an einer Halterung an den Knöchel kam und nicht in die nicht vorhandenen Schnürsenkel. Die empfindlichen Stellen der Füße waren mit Pflaster abgeklebt (am Spann, dort scheuern meine Fivefingers KSO deutlich).

Fivefingers KSO mit Chip

Positiverweise hatte man mich in den hintersten Startblock einquartiert (vermutlich weil das Ö in Jörn bei der Web-Anmeldung anders gefunden wird als das Ö bei der Anmeldung per Papier), eigentlich gehörte ich nach Historie des letzten Jahres woanders hin. Egal und in diesem Fall empfand ich das auch als Vorteil, war meine Trainingsgeschwindigkeit in den Fivefingers doch eher im Bereich von 5:45 pro Kilometer und meine erwartete Geschwindigkeit auf Asphalt (das hatte ich nicht wirklich trainiert) eher im Bereich von 6:00 pro Kilometer – somit würde ich nicht wirklich im Weg stehen.
Nun ja, bei kaltem aber sonnigem Wetter ging es zum Lauf und es kam alles deutlich anders als ich dachte. Ich flog förmlich über die Straße und überholte mengenweise andere Läufer, da war sicher eine Menge Adrenalin im Spiel und auch die Leichtigkeit der “Schuhe” war sicher von Vorteil. Weh getan hat das ganze die ersten acht Kilometer auch nicht, danach gab es leichte Schwierigkeiten an einer auch in normalen Laufschuhen eher als zickig bekannten Zehe. Am Ende kam ich in 48 Minuten in Ziel, deutlich besser als erwartet und auch zufrieden – zwar langsamer als im Jahr davor aber hey, erster Lauf in Fivefingers und es hat sich prima angefühlt.

Gleich nach dem Lauf stellte sich natürlich die Frage nach Amsterdam eine Woche später, wie sollte ich denn 21 km in den Dingern laufen – das war ich damit wirklich noch nicht ansatzweise mit Fivefingers an den Füßen gelaufen.
Traditionell gehe ich mit einem Kollegen Mittwochs nach dem Büro laufen und dies tat ich dieses Mal dann – da die Laufschuhe immer noch Schmerzen verursachten – eben in Fivefingers. Nach 19 Kilometern an dem Mittwoch in unter 2h war ich dann auch zuversichtlich, das Amsterdam gehen würde. Wieder zickte der Zeh, aber das war beherrschbar. Nun gut, auf nach Amsterdam.

In Amsterdam ein erneuter Probelauf in Laufschuhen, um zu probieren ob da was ginge – nein, immer noch erhebliche Probleme welche 21km unmöglich machen würden. Also ging es in Fivefingers an den Start, wieder mit Chip am Knöchel.

Vor dem Start beim Amsterdam HM

Der Lauf war sehr voll, ich war im Startblock 4 von sechs – 1:45 – 2:00 als Zielzeit, es war voll und damit sehr eng. Meine größten Feinde für den Tag würden Läufer sein, die einem in die Hacken treten wenn es eng wird und die in Amsterdam in großen Mengen vorhandenen Straßenbahnschienen auf den Fahrbahnen, denn das tut in FiveFingers einfach mal weh wenn man da reintritt. Amsterdam ist nicht der Lauf für Bestzeiten wenn man im Mittelfeld unterwegs ist, es ist einfach teilweise sehr sehr eng. Die Stimmung ist jedoch ebenso wie die Organisation gut. Es war kalt aber sonnig, wenig Wind. Start um 13:30, perfekt!

Die 21km waren lang, länger als sich ein Halbmarathon sonst anfühlte – nach 1h51m war ich im Ziel, 6 Minuten langsamer als normalerweise – das ist mal egal, ich war nicht für die Zeit da. Der übliche Zeh war so böse mit mir, das ich es in keinem Schuh mehr aushielt und die 1.5km zum Hotel barfuss gegangen bin. Ansonsten keine wirklichen Probleme, erstaunlicherweise!

Kurz vor dem Ziel beim Amsterdam HM

Drei Tage später wieder in Berlin, bitter kalt und nasses und auch noch windiges Wetter. Definitiv nichts für die FiveFingers – zumindest für mich zu dem Zeitpunkt. Also erneuter Versuch der normalen Schuhe (mit Einlagen, wie immer eben) und sieh da, es ging aber es war sehr anstrengend und gab sehr schwere Beine nach gerade einmal 13km. Zwei Tage später nach 14 km fühlte sich das ganze am rechten Fuß eher schmerzhaft an und so beschloss ich am nächsten Tag dann trotz nicht so tollem Wetter wieder minimal beschuht zu laufen (Diesmal mit neuen Terra Plana Laufschuhen). Nun ja, nach 2.5 km kehrte ich um und hatte erhebliche Probleme mit dem rechten Fuss, Fortbewegung nur noch humpelnd. Nach nunmehr 6 Tagen kann ich mich in Schuhen wieder schmerzfrei bewegen, Barfuss ist dort immer noch ein Schmerz. Peronale Tendonitis heißt die Diagnose und für mich sind nun ein paar Tage Laufpause angebracht bis das Thema vorbei ist. Ich habe noch einen Lauf die Saison geplant, den Schneckenlauf in Graal-Müritz – das ist nunmehr in einer Woche und die Zweifel sind erheblich, inwiefern ich an den Start gehen kann. Diesmal bin ich dann auch bereit, den Lauf sausen und den Fuss lieber ausheilen zu lassen.

Reflektierend ist es rein sachlich gedacht sicher ziemlich aggressiv und eher fahrlässig innerhalb von drei Wochen von normalen, kräftig gedämpften Laufschuhen auf die Fivefingers in der Halbmarathondistanz zu gehen. Das dies ohne Ermüdungsbrüche oder böse andere Probleme abging ist sicher nur dadurch begründet, das ich mich tagtäglich in Fivefingers bewege – wenn auch nicht rennend und einige Kilometer Lauferfahrung mit diesen habe.

Ob die Tendonitis nun vom Fivefinger-Einsatz oder vom abrupten zurückgehen auf die normalen Laufschuhe oder gar dem erstmaligen Einsatz der Tarra Planas verursacht wurde, werde ich wohl nie erfahren. Realistisch gesehen ist es wohl die Kombination aus allem in Verbindung mit der hohen ungewohnten Belastung des Halbmarathons in den Fivefingers und des zwangsweise geänderten Laufstils, der sich sicher auch auf die Bewegung mit den Schuhen auswirkte und sicher auch für die Zukunft auswirken wird.

Ich bin von den Schäden her glimpflich davon gekommen. Wenn ich wieder mit dem normalen Laufbetrieb anfange – was schlagartig passiert wenn ich das schmerzfrei tun kann – werde ich mir sehr genau überlegen ob ich trotz allen Wetterbedingungen das mit den Fivefingers tun werde oder mit normalen Laufschuhen. Die Antwort darauf steht noch aus. Der nächste offiziell geplante Lauf ist für mich mal der Berliner Halbmarathon 2011, bis dahin ist lange Zeit und wer weiß, vielleicht dann ja auch Berlin Marathon 2011 mit Minimal-Schuhen.

Aber eines muss auch gesagt werden, das Laufgefühl in den Fivefingers ist einfach nur gut und ich werde es definitiv wieder tun – ob da nun die reine Lehre angesagt ist, wird die Zukunft zeigen.

Disclaimer:
Wie man so schön sagt: Kids, don’t try this at home. Zur Nachahmung in der kurzen Zeit ist das nicht zu empfehlen. Viel längere Zeiträume mit geringeren Pensumssteigerungen sind anzuraten.

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Leguano Unboxing

Als großer Freund von Barfussschuhen halte ich die Augen auf, was es neben meinen lieb gewonnen FiveFingers noch so auf dem Markt gibt. Beim Blättern in der Runners World entdeckte ich eine Anzeige für eine neue Variante namens “Leguano”. Ich hab dann mal ein Pärchen davon bestellt. Anbei die Fotos vom Unboxing – das ist es also was man dort erwerben kann.

Leguano Unboxing - Die Box

Leguano Unboxing - Die Box

DIe Schuhe kommen in einer relativ kleinen würfelförmigen bunten Kiste daher, ich habe mein Exemplar per Website des Herstellers erworben.

Leguano Unboxing - Inhalt

Darin befinden sich aufgerollt die Schuhe, welche sich ausgerollt dann wie folgt präsentieren.

Leguano Unboxing - Die Schuhe

Leguano Unboxing - Die Schuhe (2)

Sie erinnern mich an Hüttenschuhe, mit dem Unterschied einer flexibelen Noppensohle. Der erste Eindruck nach dem Anziehen war, das sie mir doch eher sehr warm erschienen, komfortabel dann doch allemal.

Der Laufeindruck ist doch stark subjektiv, insofern will ich dazu nicht viel sagen – persönlich bleibe ich meinen FiveFingers treu. Für kühle Wintertage erscheinen sie mir aber eine Alternative zu sein, auch wenn der Fuß dann doch ein wenig schwammig in der Socke ist – vielleicht sind meine ein wenig zu groß für meine Füße.

Was mich daran dann doch sehr stört ist der geradezu überdimensionale Namenszug darauf. Ich habe die Dinger schließlich bezahlt und bekomme nichts dafür wenn jemand den Schriftzug auf meinen Füßen sieht. Kleine Logos sind ja ok, aber muss es denn so groß sein?

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