In den 80er Jahren verbrachte ich mit meiner Familie größere Teile meiner Sommerferien in Heiligenhafen, einem Ostseebad ein wenig westlich von Fehmarn. Damals, als es noch die DDR gab, hatte die Bundesrepublik nur wenig Küstenlinie an der Ostsee und das wenige was man hatte wurde maximal genutzt. Man baute Ferienparks, große Betonklötze – geplant und gebaut in den 60er/70er Jahren und in der Blüte Ihrer Nutzung am Anfang der 80er - gefühlt zumindest.
In Heiligenhafen gab (und gibt) es auch einen Ferienpark, ca. 2000 Appartments in einem gigantischen Komplex – dort waren wir oftmals in den Sommer-/Herbst-/Winterferien beheimatet – ich ging damals noch zur Schule, insofern waren das die Zeiten zu denen man Urlaub machte.
Zurückdenkend erinnere ich mich in erster Linie an das Spielen am Strand, die vielen Quallen und das verhältnismäßig kalte Wasser und den starken Wind. Gleich danach kommt das Essen – wir gingen immer wieder in die gleichen Lokale – die Rauchkate, Putenbruststeak mit Kräuterbutter, Pommes und Salat essen oder auch in die Altdeutsche Bierstube am Marktplatz, wo es Schweinerückensteak mit Pilzsauce gab. Prima Hamburger als Abendmahlzeit gab es bei der Witwe-Bolte, gleich neben der Rauchkate. Zum anderen Zeitvertreib gab es ein Wellenbad mit Salzwasser und Surf- und Segelschule auf dem Binnensee. Später nahm ich dann bei längeren Aufenthalten meinen Rechner mit, ein Atari ST und bastelte eifrig an mehr oder weniger sinnvollen Programmen.
Soviel zur verklärten Jugend in diesem Ostseebad.

Ansicht des Ferienparks 1997 vom Parkplatz bei Haus D aus.
Mitte diesen Jahres fiel mir auf, das es in Heiligenhafen seit einigen Jahren einen regelmäßig stattfindenden Mitternachtslauf gibt. Da Jörn 2.0 gerne läuft dachte ich mir, es wäre einen prima Gelegenheit mal wieder in den Ort der Jugendferien zurück zu kehren und sich alles ein wenig anzugucken. Also trat ich mitsamt Familie und Eltern zu einem Zeitsprung nach Heiligenhafen Ende Juli 2009 an.
Am Tag der Anreise fand abends schon gleich der Lauf statt, insofern war das mal das erste auf das ich mich konzentrierte. Der Ort des Laufes war zu finden, die Startnummer abzuholen und ein wenig zu Essen ein paar Stunden vorher, was ich dann im Brückenkaffee kurz vor dem Strand tat – welches weitgehend unverändert durch die Zeit gekommen war. Der Lauf war prima organisiert, gute Stimmung und durch die Nacht laufen hat auch was. Spannend auch, das man es auf über 1000 Teilnehmer brachte – für ein Ostseebad dieser Größe eine sehr beachtliche Zahl.
Am nächsten Tag war dann Zeit für die Besichtigung und den Vergleich mit damals. Es war ein spannendes Ereignis, ich versuchte mich an den Zustand von vor mehr als 20 Jahren zu erinnern – das gelang teilweise ganz gut, teilweise gar nicht. Interessant und gleichzeitig erschrecken ist allerdings, das sich einige Umstände/Dinge eigentlich gar nicht verändert haben. Teilweise versucht die Stadt offensichtlich, etwas neu zu machen und zum besseren zu verändern, gleichzeitig entdeckt man an einigen Stellen noch Zeitinseln an welchen es den Eindruck macht, das die Zeit einfach stehen geblieben sei. Als Beispiel sei hier der Spielplatz am Ferienzentrum genannt – da hat sich wenig getan. Auf Steinwarder hingegen gab es eine Menge Veränderungen und es ist auch noch einiges im Fluss. Namen von Gaststätten haben sich kaum verändert, aus der Witwe-Bolte mit den leckeren Hamburgern wurde eine Döner-Bude, die Rauchkate existiert weitgehend unverändert und ja, auch das Pustenbruststeak gibt es noch ziemlich unverändert.
Ansicht des Ferienparks 2009 vom Strand aus.
Hier noch einige Bilder mit den entsprechenden Anmerkungen.
Die Verladeanlage im Hafen im Jahr 1987
Verladeanlage im Jahr 2009
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