Barfuss im Regen (und im Wald)

Heute war es in Berlin wirklich warm, gute 28 Grad und das Ende Mai. Schon besonders so etwas. Gegen spätem Nachmittag fingen dann die unvermeidlichen Gewitter an, im Südwesten Berlins (Berlin Wannsee) in dem ich beheimatet bin gab es erstmal wenig Regen. Später wurde es dann für kurze Zeit ein wenig mehr aber zur Abwechselung mal keine Wetterkathastrophe wie mittlerweile jedes Gewitter ja eigentlich ist.

Als ich gegen 21 Uhr vom Essen nach Hause kam überkam es mich bei der sehr angenehmen Nässe des Bodens und der Frische der Luft einen spontanen Spaziergang durch den Wald in der Nähe meines Hauses zu unternehmen. Platt gesagt könnte man feststellen, das es im Wesentlichen dunkel und nass war – aber das wäre sehr platt. Als mittlerweile seit Anfang März Alltags-Barfüssler habe ich noch eine weitere Wahrnehmung bzw. einen weiteren Sinn, den warmen und feuchten Boden – selbst auf normalen Gehweg-Platten – und die fühlten sich einfach nur sehr nett an. Warm und feucht, was will man mehr und dazu noch die frische Luft.

Kurzer Weg zum Wald (sind hier bei mir nur 600m bis hinein) und dann begann das echte – zumindest gefühlte – Abenteuer. Es war dunkel, was für jemanden ohne Schuhe ja erstmal Gefahr bedeutet – Kienäppel, Wurzeln, Steine oder Pferdemist – was auch immer da ist, ich kann es nicht sehen. Ich traue mich das auch nur, da ich nach gut drei Monaten des 24×7 Barfuss-Daseins und des Barfuss-Laufens ein gewisses Selbstvertrauen in meine Sohlen und Füsse habe.

Also rein in den Wald, nach einigen kurzen Momenten der Anpassung können die Augen auch die grobe Richtung des Weges erahnen, die Nackenhaare sind definitv aufgestellt ob jedes Geräuschs. Es riecht nach Wald, ein Uhu ruft – ab und zu raschelt es leise im Gebüsch. Ich mache erstaunlicherweise kein für mich wahrnehmbares Geräusch beim Gehen durch den feuchten und weichen, ab und zu durch Härteres unterbrochenen Wald-/Sandboden. Aber die Hindernisse werden von den mittlerweile erfahrenen Füssen gut ausgesteuert und das ohne Stress-Signale ans Gehirn zu senden.

Auch wenn ich mich bewege hört der Uhu nicht auf zu rufen, das Rascheln neben mir ändert sich nicht. Ich kann mich quasi als Teil des Ganzen bewegen und das im Quasi-Dunkeln und der sehr angenehmen Stille und dem frischen Waldgeruch. Eine doch schon spirituelle Szenerie.

Als ich nach einer guten Stunde nach Hause kommen bin ich doch eher überwältigt – von mehreren rationalen Fakten.

1. Ich kann mich im Dunkeln Barfuss auf profilierten, unbekannten Boden bewegen ohne das was kaputt geht oder etwas weh tut. Trete ich auf einen Kienappel oder Stein wird der Fuss weich und “fliesst” rum oder weicht dezent von der Belastung zur Seite.

2. Ich kann mich auf Waldboden und auch auf Asphalt quasi lautlos bewegen – zumindest für meine Wahrnehmung – und das unter Hinzunahme von (1), d.h. unter Ausweichen von Hindernissen.

3. Das quasi-lautlose Dasein neben der Fähigkeit, das ohne Schmerzen oder Angst zu tun gibt mir das Gefühl als Teil des Ganzen zu existieren. Das wiederum nimmt jede Angst – wir haben zwar keine wilden Tiere in Berlin, aber Wildschweine flößen mir schon Respekt ein.

4. Ich mag den weiteren Sinn den mir meine Fusssohlen geben, ich mag die Empfindlichkeit für Temperatur und Textur. Ich kann mir gar nicht vorstellen warum ich das gut 40 Jahre nicht gehabt habe, was mir da entgangen ist.

5. Mittlerweile kann ich in entsprechender Umgebung wohl auch ohne auf den Boden zu gucken Laufen gehen. Es gibt also auch für Barfuss-Läufer den Autopiloten, eben je nach Umgebung und antizipiertem Untergrund.

Menschen, warum tragt ihr Schuhe wo es nicht nötig ist? Es gibt sicher Arbeiten, Situationen, Momente wo diese als Werkzeuge einen Sinn haben aber ehrlich gesagt bin ich der Meinung das diese in vielen Situationen quasi eine Behinderung sind.

Ich tue es wieder und Schuhe gibt es sicher bis auf weiteres nur als Werkzeug wo nötig.

 

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Barfuss Laufen im Wettkampf – 30. Küstenwaldlauf

Ich verbrachte Ostern an der Ostsee und im Rahmen meiner Aktivitäten im Bereich des Barfuss-Laufens entschied ich mich meine eigentlich erst für Juli geplante Barfuss-Teilnahme an einem Wettkampf ein wenig vorzuziehen.

Nach kurzer Suche fand ich den Küstenwaldlauf in Warnemünde welcher mir mit einer Distanz von 10km gerade in die Vorbereitung passte. Gerade einmal 2 Wochen nach meiner Teilnahme am Vienna City Marathon liess sich so eine Strecke auch verantworten.

Gedacht, gemacht – Anmeldung raus. Das Startgeld von völlig im Rahmen befindlichen 7 € überwiesen. Der 30.4. mit dem Lauf konnte kommen – aber halt, hmm, sind meine Füße und ich denn auch wirklich bereit 10 km Barfuss im Wettkampf zu laufen – wie sieht der Untergrund aus, sind da fiese Schotterstrecken oder gar schlimmeres Teil des Laufs ?

Nach kurzem Schauen auf die Webseite entschied ich mich vor Ort einfach nachzusehen und bin hingefahren, um die Strecke Barfuss im Voraus mal abgelaufen.Wie sich dabei herausstellte geht es die ersten ca. 500m über schlechten Asphalt, dann ca. 3 km über die Uferpromenade (rauhe Fliesen) und dann in zwei Runden über ca. 2.4km einen Sandweg mit Schotter und Asphalt- bzw. Pflaster resten entlang und dann noch einmal 1km über einen asphaltierten Radweg+Pflastersteine. Ich bin das dann alles zum ausprobieren mit gemütlichen 5:45er Schnitt entlanggelaufen. Am Ende waren die Füße noch ganz und die Menge Reiz hielt sich in Grenzen. Der Asphalt-Teil hat sogar richtig Spaß gemacht, da habe ich mal probiert ein wenig Gas zu geben. Es gab eine Menge merkwürdige Blicke und erstaunte Kommentare der Passanten aber das bin ich mittlerweile gewöhnt, ehrt sogar irgendwie.

Der Tag des Rennens konnte also kommen. Am Morgen des 30.4. habe ich mich dann gegen 09:00 Uhr aus Graal-Müritz auf den Weg gemacht – mit dem Auto durch den Warnowtunnel und dann zum Sportplatz auf dem der Start stattfand. Es gab hervorragend organisierte Parkflächen und auch ausreichende und saubere Sanitäre Anlagen. Hier ein großes Lob an die Organisation. Nach dem Einsammeln der Startnummer nebst eingebautem Transponder (meine war die 1213) ging ich dann gegen 10:15 Uhr in Richtung des Startplatzes. Dort stellte ich mich im hinteren Bereich des Feldes an, denn mein Ziel war die Barfuss-Erfahrung nicht die Zielzeit. Im Startfeld kamen mir einige andere Läufer durchaus bekannt vor, das kann am Schneckenlauf oder der Rostocker Marathon Nacht gelegen haben an dem ich in der Umgebung auch schon teilgenommen habe.

Nach dem nicht zu hörenden Startschuss (plötzlich liefen alle los, gut ich dann auch) ging es also auf die Piste. Größte Obacht galt neben dem obligatorischen Blick auf den Boden und dem Ausweichen aller Hindernisse dem Umstand das mir möglichst keiner auf die nackten Füße treten sollte.

Jörn im Starterfeld

Im engen Starterfeld, Bild: sprintefix.de

Nach den ersten 500m kam das Feld dann auf der Uferpromenade an wo ausreichend Platz herrschte und es begann sich zu entzerren. Nach weiteren ca. 800m in verhaltenem Tempo fing ich langsam an meinen Füßen und Fähigkeiten zu vertrauen und begann die Geschwindigkeit anzuziehen, eher automatisch als geplant.

Auf der Uferpromenade

Auf der Uferpromenade, Bild foto-eye.de

Auf den letzten gut 1000m ging ich mit dem Tempo sogar deutlich hoch, so das ich da mit einem unter 5er Schnitt durch die Gegend rannte und das barfuss auf Asphalt. Ins Ziel kam ich dann mit knapp 51:30, was keine gute Zeit für 10km ist aber wie ich finde eine gute Zeit für den ersten Wettkampf mit “ohne Schuhe” ist.

Jörn Im Ziel des Küstenwaldlaufs

Im Ziel nach 51:30 bei 10km. Bild: foto-eye.de

Auch während des Laufs gab es von anderen Teilnehmern und auch von Zuschauern positives Feedback und erstaunte Kommentare. Bei diesem Lauf war ich der einzige ohne Schuhe, ich denke mal es wird in Zukunft mehr von uns geben :)

Als Fallout gab es zwei Tage Wadenschmerzen (lies: Muskelkater) und ein wenig geknechtete Fersen, offenbar muss ich bei höherer Geschwindigkeit noch an der Sauberkeit des Laufstils arbeiten.

Fazit: Hat jede Menge Spaß gemacht und war mit Sicherheit nicht das letzte Mal mit “ohne”. Es dauert einige Zeit, bis man in die Stabilität und Reiztoleranz der nackten Füße wirklich akzeptiert und sich traut ein wenig schneller an sowas heran zu gehen.

Weiterhin muss ich natürlich drauf aufpassen nicht dem TMTS (Too Much Too Soon – zu viel zu früh) zu verfallen, sonst passiert es wie nach dem Berlin Marathon letztes Jahr und dem viel zu aggressiven rangehen an das Thema Minimal-Schuhe.

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Der steinige Weg zum Barfuss-Laufen, ein Monat mit “ohne Schuhe”

Ein großer Vorteil des Daseins in Deutschland ist das man sich seinen Spaß im Allgemeinen selbst aussuchen darf. In meinem speziellen Fall ist das ja nun seit einiger Zeit der Ansatz meine zaghaften Laufbemühungen in Richtung des Barfuss-Laufens zu verschieben (wobei ich Barfuss mit doppel-s einfach schöner finde als Barfuß mit fiesem Umlaut).

Das klappt zwar bei mir noch nicht skalierbar aber macht einen Heidenspaß wenn man sich mal dran gewöhnt hat. Es ist nötig, die Haut an den Füßen – neben der Muskulatur – an die ungewohnte Belastung zu gewöhnen und so Blasen, Risse oder Löcher zu vermeiden.

Um das zu forcieren bewege ich mich seit Anfang März diesen Jahres im Alltag ausschließlich unbeschuht. Zu Hause sowieso, nunmehr aber auch im Auto, im Büro, in der U-Bahn, beim Einkaufen, im Restaurant – eben überall. Die einzige noch existierende Ausnahme ist beim Rennen, alles ab 10 km geht noch nicht ohne. Daran muss ich noch arbeiten.

Wie ist das so ? Hmm, als erstes kommt mir in den Sinn, das es einen Heidenspaß macht, die verschiedenen Untergründe die es so überall in der Stadt hat zu erfahren. Die meisten Böden fühlen sich eigentlich gut an, Berliner U-Bahnen und S-Bahnen zum Beispiel. Auch die U-Bahnhöfe sind prima. Was nicht prima ist, das ist übrig gebliebenes Streumittel an allen Ecken und Enden. Was auch nicht wirklich schön ist sind frisch gepflasterte Wege, die sind eher scharfkantig.

Barfuss auf Bahnhof Wannsee

Barfuss am Bahnhof Wannsee

Spannend ist es in der kälteren Jahreszeit wie viele Restaurants über geheizte Fußböden verfügen, merkt man sonst nur nie.

Rennen auf Gehwegen geht prima, Rennen auf Asphalt geht definitiv nur mittels Ballenlauf und auch mit viel Übung sonst gibt es eben keine Haut mehr unter den Füßen oder abgeschliffene Fersenenden.

Was definitiv unangenehm ist das ist grober Schotter – das was derzeit zB die Wasserbetriebe in Berlin am Havelufer am Grunewald auskippen um den Weg zu verbessern, das hilft echt nur für den Einsatz von LKW. Menschliche Füße sind dafür ganz und gar nicht geeignet, Fahrradreifen auch nicht. Was auch grauenvoll ist sind die wohl ehemals mal gepflasterten Wege in den Berliner Wäldern, da sind massenweise Pflastersteine halb verbuddelt, die ein permanentes Ausweichen unumgänglich machen. Da sind Straßen oder Gehwege angenehmer.

Im Umgang mit anderen Menschen hatte ich bisher noch keine Probleme, ob dies nun in Restaurants, beim Notar und Anwalt, im Läden inkl. KadeWe oder in der U-Bahn war – ich werde zwar ab und zu mitleidig belächelt aber auch hin und wieder auf das Thema angesprochen von anderen Menschen die sich für die Gründe interessieren (der am häufigsten – und fälschlicherweise – vermutete war bisher religiöser Art, spannend).

Mit dem Rennen ohne Schuhe klappt es auch immer besser, die größte Herausforderung ist dabei derzeit noch die Kälte inbesondere in frühen Morgenstunden. Da steckt dann gerne mal ein Stein im Fuss und man merkt es nicht, das tut dann nicht so gut. Es hilft aber wenn man ab und zu mal die Steine mit der Hand kurz von den Fusssohlen wegfegt.

Nächste Woche laufe ich den Vienna City Marathon (mit Schuhen, noch komme ich keine 42km weit ohne Schäden wenn ich die Schuhe weglasse). Danach werde ich dann den schuhfreien Lauf weiter forcieren, mein Nahziel ist es den 13.6km langen Havellauf im Juli 2011 barfuss zu laufen.

Die derzeit von mir zum Rennen genutzten (und das geht jetzt auch gnadenlos ohne Socken ohne das da was reibt, Hornhaut hat Vorteile) Asics GEL-Hyperspeed 4 sind prima. Ich laufe die jetzt seit 800 km und sie scheinen unverwüstlich zu sein. Einziger Nachteil ist, das sich da gerne Steine rein schummeln die so auf der Strecke rumliegen .

Ich mache weiter. Für den Wien-Besuch nächste Woche werde ich nur die Laufschuhe im Gepäck haben, keine anderen. Mal sehen wie die Österreicher damit umgehen :) Immerhin gibt es am Flughafen dann nichts an meinen Füßen extra zu scannen, aber schauen wir mal ob man es nicht doch versucht.

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Ist das die Zukunft des Spreewaldes?

Schaut man sich den Spreewald heute an, dann ist dieser sicher noch einigermaßen überschaubar. Schaut man allerdings auf ein ähnliches Gebiet nahe Mexico City, dann hat man dort mit ein wenig mehr Dichte an Menschen zu kämpfen und mit ein paar mehr Besuchern. Wenn der Spreewald also populärer werden sollte, wird es dann so ähnlich aussehen (und sich vielleicht nur anders anhören?)

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Dinge die man nicht essen muss…

fand ich beim Aufenthalt in Mexico im Mai eine ganze Menge, hier sind ein paar Eindrücke davon.

In einem typischen Familienlokal gab es gleich mal einen Eindruck von dem was später noch in größerer Menge auf den Tisch kommen sollte, da hat es unsereiner etwas schwer das richtige zu finden, aber naja, es soll Menschen geben die mögen das.

Schweinekruste

In den Töpfen drum herum wurde das Schweinefett aufbewahrt, welches dann zum frittieren der Krusten diente.

Mehr Schweinekruste

Noch mehr Schwein

Noch mehr Schwein

Die Schweinekruste wird übrigens zerbröselt und kommt dann mit Guacamole und anderen feinen Sachen in ein Tortilla.

Tortillas

Tortillas

Guacamole

Wenn man sich dann an anderer Stelle im Lande an der Straße nach was zu essen umschaute, dann sah das auch eher deftig aus.

Straßenfutter Mexico

In gewissem Maße kann man die Auswirkungen der Diät dann auch antizipieren. Wer es denn mal eher ohne Fleich sondern nur mit Fisch mag, dem sei das hier ans Herz gelegt:

Mexico Fisch am Straßenrand

Mexico Fisch am Straßenrand

ob das allerdings für den europäischen Magen geeignet ist sei dahin gestellt.

Zur Ehrenrettung muss man aber sagen, das ich in einigen besseren Restaurants exzellentes Essen bekommen habe und das ganz ohne Schwein und so. Aber es gab eben doch eine Menge abschreckende Beispiele :)

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