Irrsinn des Alltags

Aus der ehelichen Realität, nach dem Ende des Beischlafgebots:

“Hast Du die Katze rausgelassen?”

“Du meinst ob ich diese wiederliche Kreatur dem Fegefeuer übergeben haben- oder aber einfach nur rausgelassen habe?”

“Nein, ob Du die Katze rausgelassen hast?”

“Du meinst ob ich diese jämmerlich dämliche Kreatur den Fegefeuern des vielleicht existierenden Herreen übergeben habe ? Nein, ich habe sie einfach nur rausgelassen”.

“Ich wollte nur sicher stellten das sie nicht über Nacht drin bleibt und Dich dann weckt, denn das macht sie ja wenn sie nicht raus geht”.

“Sei sicher das dieses dämliche Vieh einfach nur rausgeflogen ist, sie kann dann morgen wie immer versuchen das Silikon aus den Fugen zu fressen.”

“Aber das macht sie doch nie. Die ist doch sooo süß (**schnurr**) ”

“Ja klar, immer doch”

“Wo ist denn die Katze ?”

“Die ist draußen”

“Aber die hat doch noch gar nichts gefressen!”

“Nicht wirklich, außer ungefähr 200g totes Tier + Pottasche”

“Die ist so lieb”

“Ja, genau”

 

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Done: Der Havellauf Barfuss

Letzte Woche fand der 22. Runners Point Havellauf am Flensburger Löwen in Berlin am Großen Wannsee statt. Anfang des Jahres hatte ich es mir zum Ziel gesetzt, diesen Barfuss mit zu laufen.

Das habe ich dann auch getan und es hat jede Menge Spaß gemacht. Die Strecke an der Havel ist eh zum großen Teil meine Hausstrecke, insofern kenne ich diese gut. Den Teil vom Löwen zur Pfaueninsel laufe ich aber eher selten und bin vorher auch nur einmal Barfuss gelaufen.

Am Ende war ich zwar gut 6 Minuten langsamer als das Jahr davor, aber zum einen sind mir Zeiten eh verhältnismäßig egal und zum anderen ist der Havellauf aufgrund der Enge am Start begrenzt für planbare Bestzeiten geeignet, es sei denn man stellt sich berechtigterweise nach ganz vorne (Und dort war man auch dieses Jahr sehr beeindruckend schnell!)

Unabhängig davon hat man als Barfuss-Läufer eh zwei Bestzeiten, die mit Schuhen und die ohne. Vergleichbar sind die erstmal nicht direkt – aber auch das mag jeder für sich selbst entscheiden.

Die Strecke an sich ist vom Löwen bis zur Pfaueninsel im wesentlichen ein Waldweg mit Schottereinlagen, an der Pfaueninsel dann Kopfsteinpflaster (Ein Test für den Barfuss-Laufstil, definitiv) und ab da (mit einem kleinen Asphalt Intermezzo an der Moorlake) bis zur Wendestelle dann halbseitig leichter Schotter mit Waldwegeinlage und auf der anderen Seite asphaltiert (sehr glatter Asphalt). Ich fühle mich auf der Waldweg+Schotterseite mit meinen nackten Füßen meist wohler als auf dem Asphalt aber das ist sicher geschmackssache.

In familiärer Umgebung und perfekter Organisation war dies ein wirklich schönes Laufereignis im Sommer. Kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Ein nettes Bierchen beim Seehasen und ein T-Shirt Gewinn bei der Tombola, was will man mehr!

Dank an Hübi und die vielen Helfer – ihr wart wieder großartig.

Kleiner Kritikpunkt: Ich mag die Wegwerf-Transponder von Davengo die zum Einsatz kamen nicht wirklich, zum einen produzieren die Dinger Müll und zum anderen sind die nicht wirklich gut zu befestigen wenn man keine Schuhe an hat.

Als nächste Barfuss-Teilnahme am Wettkampf wird es dann wohl die 20. Berliner City Nacht auf dem KuDamm am 30.7.2011 werden. Mal gucken was die Füsschen zu 10km Asphalt sagen.

Ein Bildchen habe ich im Havellauf Forum auch gefunden, hier ist es.

Die kreative Befestigung des eines Transponders ohne Schnürsenkel mit Hilfe eines Chip-Fußbandes (gibt es zB bei Runners Point) hier noch einmal in Großaufnahme.

Transponder am Fuß

Transponder am Fuß

 

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Du bist nicht allein: Laufbericht 2. Barfuss-Lauf in Großolbersdorf

An komische Blicke und Kommentare hat man sich als Barfuss-Läufer und (erst recht als Alltags-Barfüssler) nach einiger Zeit ja gewöhnt und findet das zeitweise sogar amüsant. Interessant ist es aber dann festzustellen, das man auch in Deutschland neben dem wenn auch englischsprachigen einschlägigen Forum Barfoot Runners Society mit diesem Hobby nicht allein ist. Ab und zu spiel ich da quasi SETI. Eine permanente Suche bei Twitter nach dem Begriff Barfuss brachte neulich einen Tweet auf den Schirm, welcher einen Lauf mit dem verheissungsvollen Titel ‘Barfuss-Lauf‘ hervorbrachte. Dieser findet am ersten Samtag im Juni (dieses Jahr am 04.06.2011) in Großolbersdorf, einer Gemeinde im Erzgebirge in Sachsen statt. Ich erfuhr von diesem Lauf erst am Mittwoch den 1. Juni und musste kurz die Pläne für das folgende Wochenende sowie die Kompatibilität meiner Familie überprüfen – aber der Entschluss stand dann doch schnell fest – die 300km fahre ich da jetzt einfach mal hin und laufe mit.

An Strecken gab es 4.2 und 9.4km zur Auswahl – für mich klar die 9.4km. Für den darauf folgenden Sonntag hatte ich zwar für den Potsdamer Schlösserlauf in der Halbmarathon-Distanz gemeldet, aber da schadet ein knapp 10er Lauf am Tag davor sicher auch nicht. Bei beiden Läufen ging es mir definitiv nicht um eine Bestzeit.

Schnell noch am Freitag eine Online-Anmeldung abgesetzt, für die Einzahlung des Startgeldes von 13€ per Überweisung war es von Freitag auf Samstag schon zu spät, geht sicher auch vor Ort dachte ich mir (ging auch problemlos).

Da die Abholung der Startunterlagen des für 15:00 terminierten Laufs auf die Zeit von 09:30-12:00 bechränkt war und 300km Fahrstrecke ja auch Unwägbarkeiten beinhalten, entschied ich mich bereits am Freitag Nachmittag in Richtung Erzgebirge zu fahren und organisierte uns flux eine Unterkunft in einem Hotel keine 5km vom Ort des Laufes entfernt.

Am Freitag fuhren wir dann ohne jede Schwierigkeit runter nach Sachsen, checkten in das beschauliche Hotel ein und verbrachten den Abend bei perfekt gebratener Forelle mit einem Schoppen Sächsischem Weißwein in wunderschönem Sommerwetter. Vorher musste allerdings noch das örtliche Glückauf-Bier probiert werden.

Glückauf Bier

Glückauf Bier


Das schmeckt in der von mir getesteten dunklen Art sehr lecker!

Was mir bereits auf den letzten 50km der Anfahrt auffiel ist, das der Begriff “Gebirge” im Wort Erzgebirge durchaus ernst zu nehmen war. Rampen mit 12-16% Steigung fand ich im ausreichend motorisierten Auto recht witzig aber mich überkamen dann doch leichte Zweifel inwiefern der Lauf denn nicht doch einfach nur anstrengend werden könnte. Waren da etwa Höhenmeter mit eingeplant ?

Ortsschild Großolbersdorf

Angekommen in Großolbersdorf


Am nächsten Morgen dann ab nach Großolbersdorf, Startnummer holen. Der Ort ist – entgegen dem Namen – nicht groß und folglich der Startbereich am Rathaus einfach zu finden, Parkplatz war kein Problem. Vor Ort eine sehr freundliche Crew welche die kurzen Formalitäten schnell erledigt und schon hatte mich meine Startnummer in Form eines Shirts (147) in der Hand. Die Größe (XXL) war für meine Verhältnissse nicht wirklich eng anliegend aber funktionierte.
Barfuss Lauf Startnummer

Meine Startnummer



Die um die Zeit dort herum laufenden wenigen Menschen waren – seltener Anblick – im wesentlichen Barfuss unterwegs (da fiel ich mal nicht auf), man fühlte sich sofort wohl.

Wir hatten noch mehr als 4 Stunden bis zum Start um 15:00 und hatten uns überlegt, ein örtliches Besucherbergwerk anzusehen. Bei meinem letzten Versuch, so etwas in Form des Bergbaumuseums in Bochum zu betreten landete ich statt im Bergwerk im Krankenhaus mit einem angeblich gebrochenen Ellenbogen, ist 30 Jahre her und eine andere Geschichte. Also ab über die Bergstraßen zum Bergwerk, einfahren, genießen und wieder zurück nach Großolbersdorf. Schön kühl in einem solchen Bergwerk. Vorsicht mit den Füßen im Bergwerk, Fivefingers oder Huaraches empfohlen.
Einfahrt Besucherbergwerk

Die Einfahrt zum Besucherbergwerk



Vor Ort hatten wir noch ausreichend Zeit für ein ruhiges Mittagessen im örtlichen Gasthof zur Linde (Seehecht gebraten mit Spinat für 10.95€, sehr lecker) und dann ging es ab zum Start. Es war sehr warm, angenehm beim draußen sitzen und Essen, eher anstrengend beim Laufen – 27 Grad im Schatten hatte es.
Barfuss Lauf Start

Start des Barfuss Laufs in Großolbersdorf



Es hatten sich auf den verschiedenen Distanzen (4.2 km, 9.4km) 38 Leute für den Barfuss-Lauf angemeldet. Eine kleine und familiäre Veranstaltung also – finde ich gut, ich mag kleine Läufe.

Nach dem Startschuss durch den Bürgermeister von Großolbersdorf setzte sich das Feld in Bewegung. Nach einer kurzen kleinen Erhebung auf Asphalt durch den Ort, einem starken Gefälle auf einen Hof von welchem sich die Strecke dann über einen Wirtschaftsweg auf die Felder um den Ort fortsetzte ging es dann – wie befürchtet – erstmal aufwärts. Das waren vielleicht 20 Höhenmeter, nichts ernstes aber dennoch genug um den Körper deutlich in die Betriebstemperatur zu jagen. Der Anstieg fand auf einem kurz gemähten Feld statt, kitzelt ein wenig aber war deutlich angenehmer als der schotterige Wirtschaftsweg daneben.

Weiter ging es über Felder und Wirtschaftswege mit teilweise eingearbeiteten verschiedenen Untergründen (man muss den Füßen ja was anbieten) feiner Sand, im späteren Verlauf dann auch Stroh. Am Wendepunkt für die 4.2km Läufer gab es eine Wasserstelle und danach ging es dann auf einem Feldweg abwärts – und zwar deutlich abwärts. Mehr als man in Berlin am Stück abwärts laufen kann. Psychologisch geschickt um die Kurve ab und zu, so das man die volle Abwärts-Strecke nicht gleich sah. (Als Flachlandberliner ist man sowas einfach nicht gewöhnt).

Abwärts laufen ist für Barfuss-Läufer ja eigentlich einfacher als für Schuh-Läufer. Schön in die Knie und einfach rollen lassen. Man muss allerdings irgendwie lernen mit dem langen Abwärts umzugehen – denn man wird dann dabei immer schneller und kontrollierte Kadenz hat ihre Grenzen bei fliegenden Massen wie Beinen mit Füßen dran.

Unterwegs wechselte der Feldweg in Wald mit Wurzeln, nasser Erdboden in der Nähe eines Bachs (sehr angenehm) mit der kurzen Überlegung vielleicht einfach die Füße in den Bach zu stellen oder ganz rein zu springen – nein, war ja ein Wettkampf, also weiter. Es ging im wesentlichen immer noch Abwärts und wurde zum Ende der Wendestrecke hin dann flach. An der Wendestelle wieder eine Verpflegungsstelle mit Wasser und dann ging es den Weg zurück. Und zurück heißt dann Aufwärts, deutlich mehr als man am Teufelsberg, Willi oder Schäferberg so schafft am Stück in Berlin. Sehr anstrengend für jemanden der das genau gar nicht gewöhnt ist.

Der Bergauf-Lauf zwang mich dann zeitweise in ein Bergauf-Gehen, das war nicht zu vermeiden. Bei der nachfolgenden Auswertung des Garmin-Logs fand ich dann auch die “Flatline” an der HRmax an der Stelle an der ich ins Gehen verfiel. Abgesehen von der generellen Anstrengung hat man als Barfuss-Läufer ja auch noch die Notwendigkeit ‘CPU-Zeit’ frei zu haben, um die Füße mit Geschick zu positionieren. Diese ‘CPU-Zeit’ war zu dem Zeitpunkt dank Sauerstoff-Schuld nicht mehr verfügbar, das wurde gefährlich für die Extremitäten – also definitiv langsam.

Die Anstiege waren auch überwunden und dann ging es fröhlich abwärts zurück mit Stop an der Wasserstelle und in den Ort, um den Dorfteich ins Ziel.

Dorfteich Großolbersdorf

Der Dorfteich in Großolbersdorf


Rund 51 Minuten für die 9.4km sollten es am Ende sein. Nicht sensationiell aber ich war auch nicht für die Zeit da und mit Bergen muss ich mich wohl noch anfreunden.
Jörn im Ziel

Erschöpft im Ziel des Barfuss Laufs



Die Strecke bei GPSies. Man beachte das Höhenprofil.



Am Ende kamen alle gute ins Ziel und der schnellste Barfuss-Läufer war mit etwas über 40 Minuten sogar schneller als der schnellste Mit-Schuh Läufer des 10 Minuten nach dem Barfuss-Lauf gestarteten Vereinslaufes welcher mit Schuhen gelaufen wurde. In meiner Altersklasse reichte es für mich für den 4. Platz (von 7) mit deutlichen 5 Minuten Abstand zum Treppchen.

Die Füße waren in gutem Zustand und und auch gar nicht so dreckig, war ja auch trocken!
Barfuss Lauf Füße danach

Füße nach dem Lauf



Ich fand es eine nette und gelungene Veranstaltung und ich werde sie mir für das nächste Jahr wieder auf den Plan setzen. Es war anstrengend, gab aber keine Schäden oder Schwierigkeiten für mich beim Potsdamer Schlösserlauf am nächsten Tag (den ich leider noch mit Schuhen laufen musste, so weit komme ich ohne noch nicht).

Nunmehr noch eine Galerie mit allen Bildern die meine Tochter so von Läufern in der Nähe des Start- und Zielbereiches gemacht hat. Wer ein Bild in voller Auflösung haben möchte bitte einfach eine Email an mich. Wer ein Bild hier nicht auf der Webseite haben möchte bitte ebenso, es wird dann sofort entfernt. Die Email-Adresse findet sich im Impressum.

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Barfuss im Regen (und im Wald)

Heute war es in Berlin wirklich warm, gute 28 Grad und das Ende Mai. Schon besonders so etwas. Gegen spätem Nachmittag fingen dann die unvermeidlichen Gewitter an, im Südwesten Berlins (Berlin Wannsee) in dem ich beheimatet bin gab es erstmal wenig Regen. Später wurde es dann für kurze Zeit ein wenig mehr aber zur Abwechselung mal keine Wetterkathastrophe wie mittlerweile jedes Gewitter ja eigentlich ist.

Als ich gegen 21 Uhr vom Essen nach Hause kam überkam es mich bei der sehr angenehmen Nässe des Bodens und der Frische der Luft einen spontanen Spaziergang durch den Wald in der Nähe meines Hauses zu unternehmen. Platt gesagt könnte man feststellen, das es im Wesentlichen dunkel und nass war – aber das wäre sehr platt. Als mittlerweile seit Anfang März Alltags-Barfüssler habe ich noch eine weitere Wahrnehmung bzw. einen weiteren Sinn, den warmen und feuchten Boden – selbst auf normalen Gehweg-Platten – und die fühlten sich einfach nur sehr nett an. Warm und feucht, was will man mehr und dazu noch die frische Luft.

Kurzer Weg zum Wald (sind hier bei mir nur 600m bis hinein) und dann begann das echte – zumindest gefühlte – Abenteuer. Es war dunkel, was für jemanden ohne Schuhe ja erstmal Gefahr bedeutet – Kienäppel, Wurzeln, Steine oder Pferdemist – was auch immer da ist, ich kann es nicht sehen. Ich traue mich das auch nur, da ich nach gut drei Monaten des 24×7 Barfuss-Daseins und des Barfuss-Laufens ein gewisses Selbstvertrauen in meine Sohlen und Füsse habe.

Also rein in den Wald, nach einigen kurzen Momenten der Anpassung können die Augen auch die grobe Richtung des Weges erahnen, die Nackenhaare sind definitv aufgestellt ob jedes Geräuschs. Es riecht nach Wald, ein Uhu ruft – ab und zu raschelt es leise im Gebüsch. Ich mache erstaunlicherweise kein für mich wahrnehmbares Geräusch beim Gehen durch den feuchten und weichen, ab und zu durch Härteres unterbrochenen Wald-/Sandboden. Aber die Hindernisse werden von den mittlerweile erfahrenen Füssen gut ausgesteuert und das ohne Stress-Signale ans Gehirn zu senden.

Auch wenn ich mich bewege hört der Uhu nicht auf zu rufen, das Rascheln neben mir ändert sich nicht. Ich kann mich quasi als Teil des Ganzen bewegen und das im Quasi-Dunkeln und der sehr angenehmen Stille und dem frischen Waldgeruch. Eine doch schon spirituelle Szenerie.

Als ich nach einer guten Stunde nach Hause kommen bin ich doch eher überwältigt – von mehreren rationalen Fakten.

1. Ich kann mich im Dunkeln Barfuss auf profilierten, unbekannten Boden bewegen ohne das was kaputt geht oder etwas weh tut. Trete ich auf einen Kienappel oder Stein wird der Fuss weich und “fliesst” rum oder weicht dezent von der Belastung zur Seite.

2. Ich kann mich auf Waldboden und auch auf Asphalt quasi lautlos bewegen – zumindest für meine Wahrnehmung – und das unter Hinzunahme von (1), d.h. unter Ausweichen von Hindernissen.

3. Das quasi-lautlose Dasein neben der Fähigkeit, das ohne Schmerzen oder Angst zu tun gibt mir das Gefühl als Teil des Ganzen zu existieren. Das wiederum nimmt jede Angst – wir haben zwar keine wilden Tiere in Berlin, aber Wildschweine flößen mir schon Respekt ein.

4. Ich mag den weiteren Sinn den mir meine Fusssohlen geben, ich mag die Empfindlichkeit für Temperatur und Textur. Ich kann mir gar nicht vorstellen warum ich das gut 40 Jahre nicht gehabt habe, was mir da entgangen ist.

5. Mittlerweile kann ich in entsprechender Umgebung wohl auch ohne auf den Boden zu gucken Laufen gehen. Es gibt also auch für Barfuss-Läufer den Autopiloten, eben je nach Umgebung und antizipiertem Untergrund.

Menschen, warum tragt ihr Schuhe wo es nicht nötig ist? Es gibt sicher Arbeiten, Situationen, Momente wo diese als Werkzeuge einen Sinn haben aber ehrlich gesagt bin ich der Meinung das diese in vielen Situationen quasi eine Behinderung sind.

Ich tue es wieder und Schuhe gibt es sicher bis auf weiteres nur als Werkzeug wo nötig.

 

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Barfuss Laufen im Wettkampf – 30. Küstenwaldlauf

Ich verbrachte Ostern an der Ostsee und im Rahmen meiner Aktivitäten im Bereich des Barfuss-Laufens entschied ich mich meine eigentlich erst für Juli geplante Barfuss-Teilnahme an einem Wettkampf ein wenig vorzuziehen.

Nach kurzer Suche fand ich den Küstenwaldlauf in Warnemünde welcher mir mit einer Distanz von 10km gerade in die Vorbereitung passte. Gerade einmal 2 Wochen nach meiner Teilnahme am Vienna City Marathon liess sich so eine Strecke auch verantworten.

Gedacht, gemacht – Anmeldung raus. Das Startgeld von völlig im Rahmen befindlichen 7 € überwiesen. Der 30.4. mit dem Lauf konnte kommen – aber halt, hmm, sind meine Füße und ich denn auch wirklich bereit 10 km Barfuss im Wettkampf zu laufen – wie sieht der Untergrund aus, sind da fiese Schotterstrecken oder gar schlimmeres Teil des Laufs ?

Nach kurzem Schauen auf die Webseite entschied ich mich vor Ort einfach nachzusehen und bin hingefahren, um die Strecke Barfuss im Voraus mal abgelaufen.Wie sich dabei herausstellte geht es die ersten ca. 500m über schlechten Asphalt, dann ca. 3 km über die Uferpromenade (rauhe Fliesen) und dann in zwei Runden über ca. 2.4km einen Sandweg mit Schotter und Asphalt- bzw. Pflaster resten entlang und dann noch einmal 1km über einen asphaltierten Radweg+Pflastersteine. Ich bin das dann alles zum ausprobieren mit gemütlichen 5:45er Schnitt entlanggelaufen. Am Ende waren die Füße noch ganz und die Menge Reiz hielt sich in Grenzen. Der Asphalt-Teil hat sogar richtig Spaß gemacht, da habe ich mal probiert ein wenig Gas zu geben. Es gab eine Menge merkwürdige Blicke und erstaunte Kommentare der Passanten aber das bin ich mittlerweile gewöhnt, ehrt sogar irgendwie.

Der Tag des Rennens konnte also kommen. Am Morgen des 30.4. habe ich mich dann gegen 09:00 Uhr aus Graal-Müritz auf den Weg gemacht – mit dem Auto durch den Warnowtunnel und dann zum Sportplatz auf dem der Start stattfand. Es gab hervorragend organisierte Parkflächen und auch ausreichende und saubere Sanitäre Anlagen. Hier ein großes Lob an die Organisation. Nach dem Einsammeln der Startnummer nebst eingebautem Transponder (meine war die 1213) ging ich dann gegen 10:15 Uhr in Richtung des Startplatzes. Dort stellte ich mich im hinteren Bereich des Feldes an, denn mein Ziel war die Barfuss-Erfahrung nicht die Zielzeit. Im Startfeld kamen mir einige andere Läufer durchaus bekannt vor, das kann am Schneckenlauf oder der Rostocker Marathon Nacht gelegen haben an dem ich in der Umgebung auch schon teilgenommen habe.

Nach dem nicht zu hörenden Startschuss (plötzlich liefen alle los, gut ich dann auch) ging es also auf die Piste. Größte Obacht galt neben dem obligatorischen Blick auf den Boden und dem Ausweichen aller Hindernisse dem Umstand das mir möglichst keiner auf die nackten Füße treten sollte.

Jörn im Starterfeld

Im engen Starterfeld, Bild: sprintefix.de

Nach den ersten 500m kam das Feld dann auf der Uferpromenade an wo ausreichend Platz herrschte und es begann sich zu entzerren. Nach weiteren ca. 800m in verhaltenem Tempo fing ich langsam an meinen Füßen und Fähigkeiten zu vertrauen und begann die Geschwindigkeit anzuziehen, eher automatisch als geplant.

Auf der Uferpromenade

Auf der Uferpromenade, Bild foto-eye.de

Auf den letzten gut 1000m ging ich mit dem Tempo sogar deutlich hoch, so das ich da mit einem unter 5er Schnitt durch die Gegend rannte und das barfuss auf Asphalt. Ins Ziel kam ich dann mit knapp 51:30, was keine gute Zeit für 10km ist aber wie ich finde eine gute Zeit für den ersten Wettkampf mit “ohne Schuhe” ist.

Jörn Im Ziel des Küstenwaldlaufs

Im Ziel nach 51:30 bei 10km. Bild: foto-eye.de

Auch während des Laufs gab es von anderen Teilnehmern und auch von Zuschauern positives Feedback und erstaunte Kommentare. Bei diesem Lauf war ich der einzige ohne Schuhe, ich denke mal es wird in Zukunft mehr von uns geben :)

Als Fallout gab es zwei Tage Wadenschmerzen (lies: Muskelkater) und ein wenig geknechtete Fersen, offenbar muss ich bei höherer Geschwindigkeit noch an der Sauberkeit des Laufstils arbeiten.

Fazit: Hat jede Menge Spaß gemacht und war mit Sicherheit nicht das letzte Mal mit “ohne”. Es dauert einige Zeit, bis man in die Stabilität und Reiztoleranz der nackten Füße wirklich akzeptiert und sich traut ein wenig schneller an sowas heran zu gehen.

Weiterhin muss ich natürlich drauf aufpassen nicht dem TMTS (Too Much Too Soon – zu viel zu früh) zu verfallen, sonst passiert es wie nach dem Berlin Marathon letztes Jahr und dem viel zu aggressiven rangehen an das Thema Minimal-Schuhe.

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