Nach einem bisher gut und viel gelaufenen Jahr fehlte mir dieses Jahr noch ein Höhepunkt für meine Barfuss gelaufenen Wettkämpfe. Ein Blick in die gängigen Verzeichnisse von Laufveranstaltungen zeigte für den 23. Oktober den Dresden Marathon an, den gibt es auch in Halb. Ein Ganzer wäre für meine nackten Füße zu diesem Zeitpunkt vermutlich zu viel. Der Lauf in Dresden hat den enormen Vorteil, das es kein Teilnehmerlimit gibt und eine Nachmeldung noch einen Tag vor dem Lauf erfolgen kann. Man braucht also nicht planen und kein Commitment – Ideal.
Ein kurzer Check der Hotel-Verfügbarkeit brachte auch hier ein positives Ergebnis, so das ich dann tatsächlich nach einem prüfenden Blick auf das kalte aber trockene Wetter für den 23. Oktober einfach am Morgen des Samstags beschloss nach Dresden zu fahren und mitzulaufen.
Schnell vorher das Hotel klargemacht und ab ins Auto, um kurz nach 11 ging es los und um kurz nach 13 Uhr war ich schon in Dresden. Störungsfreier und geringer Verkehr machte die Fahrt diesmal recht angenehm. Noch auf dem Weg ins Hotel kurz zum Messegelände und die Nachmeldung erledigen und Startnummer einsammeln. Das Ganze dauerte keine 10 Minuten, Parkplätze gab es auch ausreichend im Messeparkhaus. Die übliche Marathon-Messe liess ich weitestgehend aus, auch vom Pasta Gutschein machte ich keinen Gebrauch.
Abends war das Ziel den ganz hervorragenden Japaner “Ogura” im Hilton Hotel zu besuchen. Nach einem mittaglichen Lachs-Burger in der Altstadt wurde erstmal neudeutsch “gechilled” und nichts getan bis zum Abend. Ich latschte einmal den Weg vom Hotel zum Start ab, um einzuschätzen wie lange dieser dauern würde. Bereits hierbei wurde mir deutlich klar, das es am nächsten Morgen eher sehr kalte Füße geben wird. Das Ogura war wieder ganz hervorragend. Frühe Bettzeit, am nächsten Tag wird ja ein wenig gelaufen.
Ein frühes Frühstück gegen Acht, grauenvoll für einen Sonntag morgen. Der Start sollte um 10:00 Uhr sein, der Weg dorthin dauerte keine 10 Minuten. Um zu vermeiden, das mir die Füße deutlich zu früh zu kalt werden gab es ausnahmsweise mal meine Alibi-Feelmax Schlappen bis zum Start. Huaraches hätten es auch getan, aber ich mag eben diese Schnüre an den Füßen nicht wirklich haben und schon gar nicht vor dem Lauf.
Ich war ca.10 Minuten vor dem Start am Ort des Geschehens und sortierte mich in den Startblock C (der vor den Walkern) auf die linke Seite ein. Ich hielt eifrig nach Barfuss-Kollegen ausschau, wusste ich doch von einem Foren-Eintrag das mindestens einer dabei sein würde. Gesehen habe ich vor dem Start nur einen VFF-Läufer, Bikilias und Socken – Luxus sowas, ist ja quasi schon mit Heizung.
Es war recht frisch, der Countdown zum Start war noch bei gut einer Minute. Also runter mit den Feelmax-Schlappen und ab in die Taschen der Jacke damit. Passte ideal, das Vorgehen wird sicher noch für den ein oder anderen Lauf in der kalten Jahreszeit eingesetzt werden können.
Whew, kalt das meckerten die Füße. Egal, geht ja gleich los. Den Startschuss habe ich nicht gehört aber irgendwie fing das Feld sich an, in Bewegung zu setzen. Straßenbahnschienen sind ja auch was fieses für den Barfuss-Läufer, besonders hat Metall es ja noch besonders mit der Kälte. Ok, also darauf wird dann bis auf weiteres erstmal nicht mehr getreten.
Ab ging es über die Startlinie. Das Feld aus 10ern, den Halben und den Ganzen, in Summe bestimmt 5000 Leute war dicht. Man kann nicht sagen, das die Straßenhälfte die füe den Start genutzt wurde so breit war. Gleich nach dem Start eine Kurve und dann über die Marienbrücke von der Alt- in die Neustadt. Bei klarem Himmel und Sonnenschein ein schöner Ausblick in alle Richtungen.
Bereits nach der Brücke hatte sich das Feld auseinander genug gezogen, damit man sich vernünftig bewegen konnte. Ok, also langsam die Geschwindigkeit “einstellen” und den Lauf genießen. Die Füße waren kalt aber funktionierten gut. Der Unterschied zwischen Straßen mit Sonne und den Stellen ohne wurde wieder deutlich. Die Lufttemperatur war beim Start vielleicht 4-5 Grad, die des Bodens sicher nicht höher.
Ziel war ein einigermaßen gemütliches Tempo im 5er Schnitt was mich dann in ca. 1:45 durch den Lauf bringen sollte. Das Tempo lässt durchaus zu, sich mit anderen zu unterhalten und man kann sich auch gut mit der Umgebung beschäftigen.
Ein Mitläufer fragte mich noch auf der Marienbrücke, inwiefern ich das geübt hätte so ohne Schuhe zu Laufen. Ich entgegnete das ich das doch eher regelmäßig mache und konnte mit den Hinweis darauf nicht verkneifen, das wenn ich das nicht getan hätte vermutlich schon an dieser Stelle die Fußsohlen durch gewesen wären. Er hatte nach seiner Aussage ernsthaft geglaubt ich hätte nur meine Schuhe vergessen
Nach wenigen Kilometern eine Überraschung, ich wurde angesprochen von einem anderen Barfuss-Läufer welcher sich als Matthias vorstellte. Kurzer Informationsaustausch, das wir ja mindestens dann zu Dritt sind und auch er hatte den anderen Kollegen nicht gesehen bisher. Nach einigen Minuten lief jeder weiter seine Geschwindigkeit und man verlor sich aus den Augen – er hatte es eiliger als ich und wie ich mittlerweile weiß hatte es der andere Kollege noch deutlich eiliger als wir beiden, so das wir uns zwangsläufig nicht gesehen haben obwohl er – vermutlich im dichten Feld – mich überholt haben muss.
Die nächste Konversation mit – nach Akzent und Kleidung zu urteilen – dänischen Läufern war nicht von positiver Natur. Man hatte für meine Barfüssigkeit eher kein Verständnis und fand das eher komplett daneben. Nunja, man muss ja nicht jede Unterhaltung weiterführen, Abstand gewinnen und weiterlaufen. Die beiden frötzelten dann noch darüber rum, ob sie nicht mal rüberkommen und drauftreten sollten, damit ich was lerne. Geht’s noch ? Ok, kurz das Tempo rauf und weg von denen.
Die Strecke ging dann über die Augustusbrücke in Richtung Altstadt, schönes Panorama das dort geboten wurde. Aber quasi als Preis für das Panorama kam das was auf der Webseite mit als drei-prozentiger Bestandteil der Strecke angegeben wurde – Pflaster. Aber fieses Pflaster, uneben und große Löcher zwischen den Steinen. Nach der Brücke kam eine Runde auf dem Theatherplatz, auch nicht besser. Kleines Pflaster, noch unebener. Schön wenn man fühlt wie sich die einzelnen Fußknochen auseinanderbiegen beim drüberlaufen. Noch schöner danach festzustellen, das die Füße ganz geblieben sind.
Ich behaupte, die Angabe 3% ist eher die Hälfte der Realität. Allein dei Augustusbrücke hat 250m je Richtung, über die geht es zwei mal. Über den Theaterplatz geht es ja auch nochmal… Auf dem Foto unten sieht man das Pflaster auf der Augustusbrücke sehr gut.

Jörn beim Dresden Marathon, (c) firstfotofactory.com
Im Verlauf des Rennens hatte ich noch das ein oder andere gute Gespräch über das warum, das Training dafür und die Temperatur und so. Alle aufgeschlossen und positiv. Den Kommentaren am Straßenrand konnte ich entnehmen, das vor mir im Feld noch mindestens einer sein muss. “Guck mal Mama, da ist noch einer!”. Sowas hörte ich bestimmt vier bis fünf mal.
Die Wasserstellen lies ich komplett links- und rechts liegen, bei der Temperatur und Distanz nicht nötig. Spannend aber das es tatsächlich Cola irgendwo nach km 15 gab. Mein Magen würde ernsthaft nach einem K2000 schreien, wenn ich das beim Laufen trinken täte.
Beim Verlassen des Elbe-Radweges in Richtung Augustusbrücke (so km 19) gab es mal was anständiges für die Füße, einen “Parkweg” mit ein paar kleinen Steinchen. Der war richtig angenehm gegen das Pflaster der Brücke. Witzig auch wie sich das anfühlte nach 18km Asphalt, man wurde quasi wach.
Den letzten Kilometer über Augustusbrücke, Theatherplatz und ins Ziel gab es dann nochmal Fußknochenbewegung. Im Ziel einigermaßen pünktlich angekommen mit 1:44 noch ein paar erstaunte Fragen, ob ich denn den ganzen Lauf barfuss gelaufen sei. Einmal Medallie einsammeln und eine süße und alkoholfreie Gerstenkaltschale später zurück ins Hotel und die Füße wieder auftauen.
Das Auftauen war schmerzhaft, wie auftauen eben so ist – Gefühl gab es den ganzen Lauf über in den Füßen, offensichtlich muss man sich aber daran gewöhnen das der Körper seine eigene Auffassung der für die kontinuierliche Nutzung erforderlichen Temperatur hat und diese nicht notwendigerweise mit der Wohlfühltemperatur des Nutzers korreliert. Das war in Bonn beim Drei Brücken Lauf auch so, Dresden war mehr als doppelt so lang und später und ein wenig wärmer. Aber die Temperatur der Füße war auf gleichem niedrigen Niveau.
Die nachfolgende Inspektion ergab keine Schäden an den Füßen und so konnte nach einem Mittagessen die Heimreise angetreten werden.
Schöner Lauf als Halber! Die 2. Runde würde ich dann aber nicht laufen wollen, Marathons in Form von zwei Runden finde ich langweilig.
Die Strecke des 13. Dresden Marathons (Halbmarathon):