Seit einigen Jahren laufe ich regelmäßig in Graal-Müritz an der Ostsee den dortigen im November stattfindenden Schneckenlauf mit. Der Lauf heißt nicht aufgrund meiner geringen Laufgeschwindigkeit so sondern weil jeder ins Ziel kommende Läufer eine Streuselschnecke bekommt.
Es gibt dabei drei Distanzen zur Auswahl, 2 km, 5km und 10 km, wobei die 10 km als zwei 5 km Runden dargestellt werden. Ich kenne Graal-Müritz und Umgebung von zahlreichen Läufen im Urlaub recht gut und dachte mir, wenn ich schon regelmäßig am Barfusslaufen arbeite warum nicht auch beim Schneckenlauf.
Dagegen spricht in gewissem Rahmen die Jahreszeit zu welcher der Lauf stattfindet. Ich kann mich schon an Jahre mit ein wenig Schnee und Temperaturen deutlich an der Null-Grad Grenze erinnern. Dieses Jahr allerdings war strahlender Sonnenschein und morgendliche Temperaturen um die 6 Grad bei nahe der See natürlich hoher Feuchte. Mit anderen Worten, am Morgen eher kalt. Nun gut, nach Dresden und Bonn bin ich ja temperaturmäßig schon auf so einiges eingestellt und diese sollte auch hier nicht zum Problem werden.

Graal Müritz an einem Novembermorgen
Ich hatte neben meiner Familie noch eine Freundin meiner Tochter dabei, welche sich spontan entschlossen hatte die 2km Strecke mitzulaufen. Insofern gingen wird dann nach einem frühen Frühstück um kurz nach 9 erst einmal die Startnummer holen und die junge Dame anmelden, ich hatte bereits per Internet gemeldet und musste lediglich meine Startnummer holen und das Startgeld bezahlen.

Startnummer mit Startkarte
Schön finde ich, das Teilnehmer für die 2km Strecke keine Startgebühr bezahlen müssen und trotzdem danach eine Streuselschnecke bekommen. Dafür gibt es für diese Teilnehmer keine Startnummern, dafür kleine Startkarten, die im Ziel abgegeben werden müssen – in Graal Müritz wird nämlich noch richtig old-fashioned mit der Hand gestoppt und ausgewertet. Für die 5km und 10km Läufe gibt es Startnummern, das Auswertungsprinzip ist allerdings das gleiche.

Start des 2km Laufes
Auch heute sollte wieder das vorherige Warmhalten des Laufgerätes mit Schlappen praktiziert werden, das hatte sich ja in Bonn und Dresden bereits gut bewährt.
Eine Minute vor dem für 11 Uhr geplanten Startschuss wanderten die Schlappen in die Taschen und los gehts nach dem Startsignal. In etwa 200 Teilnehmer setzen sich in Bewegung, es ist auf den ersten Metern doch deutlich voll und die Wege sind erstmal eng. Das ein oder andere Boden-blind gelaufene Überholmanöver wird nötig, um einigermaßen Tempo drauf zu bekommen. Klar wird, das wenn man hier schnell laufen will, muss man sich nach vorne stellen (was aber an diesem Tag sicher nicht mein Ziel war).
Die ersten Meter des Laufes gehen über den Sportplatz des Wald-Stadions in Graal-Müritz, dann über die Parkwege vor dessen (neu erbauten !) Parkplatzes und dann am Stadion entlang in den Küstenwald. Spätestens ab dem Parkweg im Küstenwald war klar, das dies eine eher steinige Angelegenheit werden wird. Viele kleine bis größere Steinchen, unter frisch gefallenem und diese effektiv verbergendem Blattwerk gelagert machen diesen Teil der Strecke zu einer klaren Ansage für bereits erfahrenere Barfuss-Läufer (ich war an diesem Tage erwartungsgemäß der Einzige).

Lauf nähe Stadion
Weiter geht es an der Uferpromenade über den Ostseeküsten-Radweg in Richtung Campingplatz, wessen Zuwegung den Füßen mit sehr grobem Asphalt etwas zu bieten hat. Dann geht es durch den Campingplatz auf die andere Seite, durch ein Drängelgitter (was ich jedes Jahr nervig finde, denn da muss man sich irgendwie durchschwingen, um nicht komplett zum Stillstand zu kommen). Auf ein wenig Asphalt geht es dann in Richtung der vorgelagerten Brücke über den Stromgraben, hier ist der Untergrund simpel gesagt scheusslich, Betonreste, Steine jeder Größe dafür aber mit nicht ganz so viel Blattwerk verdeckt. Über den Parkplatz vor dem Waldhotel geht es zum und in den Rhododendronpark – hier leichter Boden, man könnte auch das Gras daneben nehmen – ich bleibe auf dem Parkweg. Raus aus dem Rhododendronpark quasi wieder auf die Strecke welche einen in Richtung Campingplatz brachte. Blattwerk, Steinchen, eben noch einmal. Die Runde führt dann durch das Stadion und wenn man die 10km läuft, dann läuft man das obige einfach noch einmal.
Biegt man dann nach der zweiten Runde in die Zielgasse ein wird die Startkarte abgegeben und man bekommt einen Gutschein für die Streuselschnecke.

Im Ziel
Die Füße haben es gut überstanden, sind allerdings mächtig dreckig und ein wenig kalt. Da kommt es gerade recht, das es bei diesem Lauf in der Stadion-Gastronomie leckeren Glühwein für 1.5€ den Becher gibt und das auch noch von einem bekannten Gesicht, so macht Laufen Spaß ! Die Steuselschnecke wird erst einmal pflichtgemäß verzehrt, gehört sich so.

Dreckige Füße im Ziel
Schaut man sich dann die Laufergebnisse an stellt man fest, das es die meisten dort sehr eilig haben und das alles sehr ernst nehmen. Ich werde 9. von 12 meiner AK, das ist eher weit hinten für einen 5er Schnitt. Hätte man hier mit deutlich mehr Tempo laufen wollen, so wären Schuhe definitiv notwenig gewesen. Huaraches hätten es getan, damit kann man dann auch einen 4er Schnitt laufen und vorne mitspielen wenn man das will. Barfuss auf dem Untergrund hätte ich deutlich mehr Tempo eher nicht laufen wollen bei der limitierten Erfahrung meiner Füße.
Schöner Lauf, nächstes Jahr sicher wieder. Ob wieder Barfuss – mal gucken, ist nicht ideal dafür. Aber wer Barfuss läuft darf sich über die Strecke auch nicht beschweren.
Der schönste Kommentar unterwegs heute war von einem Jungen, “Mama, Mama, mit Barfuss gildet doch nicht!”. Tut es doch mein Junge, steht in den Regeln des DLV welche auch diesem Lauf zu Grunde liegen.
Danach ging es erstmal in den örtlichen Fischdealer und zum Mittag gab es dann grüne Heringe gebraten, 2 Stück für 3€, kann man eigentlich nix sagen – hab ich erstmal 4 draus gemacht (Heringe natürlich).

Grüne Heringe gebraten
Die Strecke des Schneckenlaufes: