Der Potsdamer Schlösserlauf fand dieses Jahr zum neunten Mal statt. Früher gab es ihn noch als Halbmarathon und Marathon – seit zwei Jahren gibt es ihn noch als 10km oder Halbmarathon. Es fanden sich nicht allzu viele Läufer, die Lust hatten einen Marathon als zwei Runden zu bestreiten. Insofern macht es Sinn, das Streckenangebot zu verändern und mehr auf die kürzeren Distanzen zu setzen – dafür finden sich eher Läufer.
Ich mache seit 2009 eigentlich regelmäßig bei diesem landschaftlich und von den Sehenswürdigkeiten her reizvollen Lauf mit. Im Potsdamer Neuen Garten bin ich auch im Rahmen meiner Trainingsläufe häufig unterwegs, ab und zu führt es mich auch durch den Park Babelsberg. Die anderen Teile der Strecke durch Potsdam laufe ich eigentlich nie außer bei dieser Veranstaltung. Da ich ja bereits im letzten Jahr schon öfters barfuss im Wettkampf unterwegs war, schielte ich bereits damals dezent auf den Boden wie dieser denn so beschaffen ist – letztes Jahr bin ich noch mit Schuhen gelaufen.
Wenn es sehr warm ist, dann ist die Startzeit von 0900 ein Vorteil – ansonsten finde ich es eher zu früh, insbesondere wenn die Start-Location gefühlt am Ende der Welt ist und das ist das Stadion am Luftschiffhafen in Potsdam meines Erachtens nach. Insofern musste ich schon kurz nach 0700 aus dem Haus, um kurz nach 0730 die S-Bahn von Wannsee nach Potsdam zu bekommen. Gemäß meiner üblichen Gepflogenheit des schuhfreien Lebens bin ich auch so aus dem Haus, hatte mir aber sicherheitshalber – Schlappen in den Beutel gepackt, vielleicht packt mich ja noch in letzter Minute die Angst vor dem Untergrund des Laufs.
Nach der Einfahrt in Potsdam ging es dann ab in den für die Läufer bereit gestellten Shuttle-Bus, da ich recht früh da war (noch vor 0800) war die Lage dort auch noch einigermaßen entspannt. Am Stadion selbst war auch noch einigermaßen Frieden, so das man sogar noch ein Klo fand ohne länger als 5 Minuten anzustehen. Nach den allgemeinen Routinen vor so einem Lauf, dem festmachen der Startnummer und des Chips am Knöchelbändchen trafen auch meine Begleiter ein, welchen ich die Fotos hier verdanke.
Der letzte Klobesuch vor dem Start war dann schon eher nicht mehr so schnell, aber wenn man ein wenig sucht dann findet man auch ein Örtchen im ersten Stock der Halle. Kurz darauf war das dann auch kein Geheimtipp mehr. Ab in die Startaufstellung, ein letztes Aufflackern von Ehrfurcht vor dem Boden – aber dann doch ab barfuss in den Startblock, die Schlappen blieben im Beutel. Nur die harten kommen in den Garten
In Erwartung meiner Langsamkeit habe ich mich weit hinten angestellt, das Feld war dann also von hinten aufzurollen. Das Wetter war bei ungefähr angenehmen 14 Grad, ideale Laufbedinungen also. Vor allem auch trocken.
Der Startschuss fiel pünktlich und los ging es nach der üblichen Verzögerung durch die Mengen vor mir. Die ersten Kilometer verlaufen eine lange Straße entlang (Zeppelinstraße), das ist banaler Asphalt mit Straßenbahnschienen. Ich blieb links außen und nutzte ab und zu ein paar weiße Linien zur Fuß-Entspannung. Am Ende dieser biegt man in die Fußgängerzone (Brandenburger Straße) ein, das ist Pflaster. Pflaster finde ich zum Laufen eher nicht so toll, daher nehme ich da die seitlichen Plattenwege der Straße. Deutlich angenehmer zu laufen und um die Uhrzeit auch nicht voll mit Menschen. Nach der Brandenburger Straße geht es in die Gutenbergstraße, das ist wieder Asphalt – unspektakulär. Entlang der Nuthestraße geht es dann einmal kurz steil bergab in den Park Babelsberg. Ab da ist es dann Sand/Schotterweg, laufbar aber nicht angenehm. Hier wich ich neben die Strecke auf die Grasflächen aus wo immer das ging. Man sieht zwar nicht wohin man tritt aber dafür ist es angenehmer als zu wissen und zu spüren, das man auf Steinchen rumrennt. Das geht bis auf ein paar Bäume/Büsche die einem den Weg versperren sehr gut.
Der Weg im Park Babelsberg ist aber von der laufbaren Sorte, es gibt schlimmeres – die Stellen die ich dann auf ihm laufen musste waren definitiv beherrschbar. Das geht dann gut 2 Kilometer so bis man die Brücke über den Beginn des Griebnitzsees erreicht (Pflaster), dann folgt eine Pflasterstraße und über einen angehmen Asphaltweg geht es auf die Königstraße Richtung Glienicker Brücke. Anstelle dort Agenten auszutauschen überqurert man diese auf der aus Berlin kommend linken Seite und läuft dann in einer Linkskurve unter der Brücke durch, um auf der anderen Seite wieder hinaufzulaufen. Auf diese Art spart man sich die Sperrung der Königstraße – das hilft sicher dem Straßenverkehr.
Nun geht es die an der Havel liegende Schwanenallee entlang und hier kam dann auch die erste Überraschung. Die Straße bin ich sicher 50x gelaufen bisher, aber noch nie barfuss. Und das Material ist echt unangenehm, quasi wie grobkörniges Sandpapier. Ziemlich scheusslich aber auch beherrschbar.
Am Ende der Schwanenallee (mit der Matrosenstation Kongsnæs), wir sind jetzt bei gut der Häfte des Halbmarathons geht es in den neuen Garten – hier wieder auf Sand/Schotterwege – aber auch hier helfen die Grasflächen daneben wenn man keine Lust auf den Schotter hat. Im späteren Verlauf sind allerdings diese nicht vorhanden, so das man ihn einfach laufen muss. Geht auch, ist aber wieder nicht so schön.
Nach etwas mehr als einem Kilometer ist nun der Neue Garten vorbei, an der Meierei (keine Zeit zum anhalten und ein Bierchen trinken heute leider) geht es am Pfingstberg auf die Große Weinmeisterstraße an deren Ende es über die Beyerstraße in die Russische Kolonie geht, hier wieder mit Schottwegen (aber auch hier gibt es Grasflächen). Danach kommt wieder Asphalt, unspektakulär. Über die Bornstedter Straße geht es dann in den Park Sanssouci – hier kommt für einige hundert Meter der angehmste Boden des ganzen Laufs. Das hat was, hier bleibe nicht – nicht wirklich, denn am Orangerieschloss geht es erstmal vorbei über die Maulbeeralle und dann durch eine kleine Tür wieder in den Park. An der Tür steht eine junge Dame und schreit “Gefährlicher Untergrund, Achtung”. Das tut sie sicher nicht nur für den einzigen Barfussläufer, insofern bin ich dann echt gespannt was nun kommt. Es kommt Grasnabe mit herausstehenden kleinen Pfastersteinen – das finde ich recht beherrschbar da man diese gut sieht. Spannend das als gefährlich zu bezeichnen.
Am Neuen Palais vorbei geht es durch den Park bis zum Bahnhof Wildpark, da sind wir dann auch schon bei Kilometer 18,5. Durch die Forststraße geht es zurück zum Stadion am Luftschiffhafen und nach einer halben Runde auf der Tartanbahn ins Ziel.
Geschafft, nach 1:52 bin ich angekommen und die Füße sind noch ganz. Das ist zwar langsam aber der Untergrund war durchaus fordernd.
Als Fazit kann man sagen, das ist was für Barfussläufer ab dem zweiten Lehrjahr – ich habe es vor einem Jahr nicht gewagt und das war auch gut so. Mal sehen, vielleicht wird es ja nächstes Jahr noch einfacher.
Danke an Manuel fürs Fotos machen !
Die Strecke des Schlösserlaufs auf gpsies:


Super!
Schoene Beschreibung der Strecke. Da wissen die Naechsten ja recht gut, was auf sie zukommt.
Im uebrigen finde ich alles unter 2 Stunden fuer einen HM ziemlich gut. Aber Du weisst ja jetzt in welch atemberaubenden Tempo ich unterwegs bin.
Also, herzliche Gratulation zum gelungenen Lauf und der guten Zeit. (Ich find’s halt nun mal gut!)
s:)
Klasse! Immer wieder schön, von Deinen Laufabenteuern zu lesen.