Der Big 25 Berlin 2012 – Barfuss gelaufen

Taxifahrer nennen ihn immer den “Franzosenlauf”, die ehemaligen 25km de Berlin. Seit 2008 heisst dieser nun Big 25. Er findet jedes Jahr im Mai statt und führt auf einem 25 KM Rundkurs vom Olympiastadion in Berlin zurück in das Olympiastadion. Der Höhepunkt des Laufes ist klar der Einlauf in das Olympiastadion am Ende. Mit darum laufe ich den Lauf seit 2009 regelmäßig jedes Jahr.

Dieses Jahr habe ich ihn dann zum ersten Mal barfuss in Angriff genommen, schliesslich war der 6.5. ja der IBRD (International Barefoot Running Day) und der Berlin Marathon ist ja nicht mehr so lange hin und bis dahin brauche ich definitiv noch mehr Asphalt-Training auf der längeren Strecke. Dafür ist dieser Lauf dann ideal, 25km quasi komplett über Straßen bekommt man verkehrsfrei nicht so häufig.

Big25 2012 Startnummer 4113

Big25 2012 Startnummer 4113


Im Mai ist es meist ja schon etwas fortschrittlich frühlingshaft, nicht jedoch an diesem 6. Mai 2012. Es war am morgen eher kalt, in der Nacht hatte es noch ein wenig geregnet. Es war aber definitiv warm genug auch für mich, um den Lauf Barfuss zu begehen. Also morgens um kurz nach Neun ins Taxi gesprungen zum Olympiastadion. Der Weg führte über die annähernd radfreie Havelchaussee. Wer die Strecke kennt der weiss, das es dann offensichtlich kalt und nass ist, ansonsten ist es da bei schönem Wetter an einem Sonntag eher richtig voll morgens um kurz nach Neun.

Am Olympiastadion angekommen, noch auf dem Weg zum Teilnehmerbereich hinter den Olympischen Ringen fiel mir dann schon ein Teil der Strecke auf, den ich in meiner verklärten Erinnerung gar nicht mehr hatte. Da sind circa 300m Sand/Schotterstrecke vom Olympischen Platz an der Südtangente des Olympiastadions auf dem Weg zum in dieses führenden Tunnel. Nun gut, 300m ist nicht so viel, aber hinten raus wird das sicher interessant.

Nachdem ich am Wochenende zuvor ja den Hamburg Marathon gelaufen bin hatte ich mich für den Big 25 erst in letzter Minute angemeldet, nachdem ich wusste das Hamburg ohne größere Schäden gut über die Bühne ging. Insofern, da ich nach der Zeitschwelle für das personalisieren der Startnummer meldete, bekam ich einen Startplatz im letzten Block und eine recht hohe Startnummer. Der Startplatz im letzten Block ist mal egal, eilig hatte ich es eh nicht – das mit der Startnummer wurde aber zur interessanten Geschichte. Im Umlauf des Olympiastadions finden sich die Abgabestellen für die Kleideraufbewahrung, welche normalerweise immer mit 500 Nummern pro Abgabestelle gut aufgeteilt sind, so das alles schnell vonstatten geht. Nachdem ich aber die zu meiner Startnummer gehörige Abgabestelle gefunden hatte, traute ich meinen Augen kaum. 20 Minuten vor dem Start und eine riesige Menschenmenge, aber auch kein Wunder, hier waren es nicht 500 Startnummern sondern ganze 3500!

Am Ende nahmen die armen Freiwilligen (Danke!) hinter dem Tresen die Beutel einfach nur noch an und stapelten, Ordnung war da nicht mehr zu erzeugen. Nun ist natürlich die Abgabe der Beutel nur die Hälfte des Problems, die andere Hälfte – das Wiederfinden – hatte ja nun aber auch noch mehr als zwei Stunden Zeit. Also auf zum Start.

Bei der Menschenmenge auf dem olympischen Platz stellte ich mich annähernd ans Ende des riesigen Starterfeldes und harrte dem Start. Kurze Zeit später war es dann auch schon so weit und wir setzten uns langsam in Bewegung. Der erste Kilometer ging in weniger als einem sechser-Schnitt in wirklich eng über Pflaster und Straße auf die Reichsstraße, Richtung Theodor Heuss Platz. Spätestens ab diesem wird der Weg breiter beruhigte ich mich bei jedem Ausweichen und dem Überholen linear bewegter Hindernisse. Als Barfuss-Läufer tue zumindest ich mich schwer damit, am Rändern oder Bordsteinen entlang zu laufen oder Stellen zu nutzen die sonst zugeparkt sind. Dort lauert nämlich neben den Resten des Streugutes des nicht so lange zurückliegenden Winters auch das wovor man doch mehr Respekt hat, die Scherben von Unfällen und Einbrüchen. Insofern schön in der Mitte geblieben und durch die Lücken bis es breiter wurde.

Ich hatte langärmlig gewählt, kalt war mir trotzdem. Nicht an den Füßen aber doch am Oberkörper. Der Asphalt war gefühlt netter als Hamburg, insofern kam eine innerliche Bestätigung der Entscheidung für Schlappen am letzten Wochenende auf.

Die ersten 10 Kilometer des Laufes gehen wenn man vom Olympischen Platz und der Reichsstraße absieht quasi immer geradeaus auf der Bismarckstraße/17. Juni, der großen Ost-West Magistrale Berlins. Da ich von hinten gestartet aber dennoch eigentlich eher im vorderen Drittel der Läufer geschwindigkeitsmäßig angesiedelt bin hatte ich jetzt also mächtig zu überholen, das habe ich dann auch getan. Immer schön drumherum, gerne auf den Markierungsstreifen entlang, die sind schön glatt, ging es um die anderen Teilnehmer. Da kam der Abzweig für die 10km Läufer bereits, der blieb rechts liegen und weiter geradeaus.

Beim Überholen war das übliche Unverständnis darüber zu hören, wie man sowas Barfuss laufen kann, die zwei schönsten Kommentare waren: “Der hat bestimmt eine Wette verloren” und “Jetzt habe ich auch mal einen Barfussläufer gesehen”. Herrlich :)

Jetzt kam schon der Abzweig für die Halbmarthonis, auch der blieb rechts liegen und es ging durch das Brandenburger Tor. Das war wieder eng, aber eben nur kurz. Hier gab es wieder Pflaster statt Asphalt, machte aber nix, bei weitem nicht so schlimm wie das Fußspaltende Zeugs der Dresdener Brücken oder Altstadt.

Big25 Jörn am Brandenburger Tor

Big25 Jörn am Brandenburger Tor, (c) Actionphoto

Schön und anders an diesem Lauf ist, das es der einzige der großen Berliner Läufe ist, wo man von Westen nach Osten durch das Brandenburger Tor läuft. Bei allen anderen (Halbmarathon, Marathon) geht es von Ost nach West.

An der Friedrichstraße geht es auch schon rechts rein und gleich wieder links Richtung Gendarmenmarkt. Aber halt, was ist das denn, meine Uhr vibriert mehr als üblicherweise bei jedem Kilometer – ein Blick drauf zeigt “Akku schwach”. Hmm, hat da wohl mal wieder der Stecker über Nacht nicht richtig gehalten ? Egal, ich brauch die Uhr eh nicht wirklich – die Kilometerschilder sind gewissenhaft aufgestellt und ich bin heute definitiv nicht für das schnell Laufen hier.

Am Gendarmenmarkt vorbei kommt eine Zeitnahmematte, man will ja schließlich sicher stellen, das den entferntesten Punkt auch alle durchlaufen. Rauf auf die Leipziger Straße und ab jetzt geht es zurück Richtung Olympiastadion. An meinem linken Sprunggelenk macht sich ein wiederkehrender Schmerz bemerkbar. Was ist das denn jetzt, den Chip trage ich doch rechts ? Doch Spätschäden aus Hamburg oder laufe ich einfach zu unsauber heute? Ich beschliesse ein wenig Tempo rauszunehmen (Noch langsamer…) und kürzere Schritte zu machen.

Der Potsdamer Platz geht vorbei, rechts richtung Tunnel und dann rein in die Tiergartenstraße. Ha, die Baustelle ist weg – oh Wunder, Ich dachte das Ding steht da noch ein paar Jahre. Mir fällt schon vor dem Eingang der Tiergartenstraße ein einzelner klatschender Radfahrer mit gelbem Rucksack auf, diesen sehe ich einige hundert Meter später wieder. Am Ende ging das so bis zum Olympiastadion im Abstand von einigen hundert Metern. Wen auch immer er durchgehend bejubelt hat, hat er ordentlich gemacht: Hat mir auch Spaß gemacht, obwohl ich wahrscheinlich nicht das primäre Ziel war.

Nachdem die Tiergartenstraße ein Ende hat, geht es links Richtung Urania und schließlich auf Tauentzienstraße und Kudamm. An der Ecke Nürnberger hat mich dann Christoph fotografiert. Netterweise darf ich das Foto hier präsentieren, zur Abwechslung gibt es mich mal von hinten zu sehen (und vielleicht hätte ich doch Photoshop nutzen sollen, um meine Teilglatze wegzuretuschieren ?)

Jörn beim Big25 Berlin Kudamm

Jörn beim Big25 Berlin Kudamm, Photo (c) hiphopruns.wordpress.com

Der Kudamm ist eher angenehm vom Belag und in der Richtung stört mich die Schräge der Fahrbahn auch nicht so, anscheinend mag ich das Rechtsgefälle lieber als das Linksgefälle. Ab nach Rechts in die Leibnizstraße und dann links in die Kantstraße. Nun gibt erstmal die Uhr mangels Strom auf. Und von hier geht es perfide aufwärts, quasi fast bis zum Olympiastadion. Das ist eher anstrengend. Immer geradeaus geht es bis zum Theodor-Heuss-Platz und da ist dann auch die Halbmarathonmarkierung, 1:49 werden es bis dahin für mich sein. Nicht berühmt, aber wie gesagt ich bin nicht für die Zeit dabei. Die Schmerzen am linken Sprunggelenk tauchten sowohl jetzt als auch später nicht mehr auf!

Die Reichsstraße hoch (im wahrsten Sinne des Wortes) und zurück zum olympischen Platz, der nette klatschende Radfahrer steht auch hier, linkskurve in Richtung dessen was mir schon seit längerem als Sorge durch den Kopf spukt, das Stück Schotter und Sand. Ob da wohl Glas bei ist, immerhin hat Hertha sich hier gestern in die Relegation geretttet, da haben bestimmt einige auch ein paar Flaschen zu viel getrunken…

Big25 Jörn am Olympischen Platz

Big25 Jörn am Olympischen Platz, Foto (c) Actionphoto

Das ängstliche Verkrampfen vor dem unbekannten Untergrund habe ich mir nach mehr als einem Jahr Barfuss-Laufen nun auch abgewöhnt und bin am Ende überrascht wie angenehm sich Sand+Schotter, noch dazu nasser Sand im Kontrast zu dem vielen Asphalt die vorigen 23km lang anfühlt. Mensch, da bleib ich – ach nee, muss ja noch etwas mehr als einen Kilometer laufen und den Einlauf in das Stadion will ich nun auch nicht verpassen. Nun gut, ab in den Tunnel und rauf auf die blaue Tartanbahn. Ihh, das Tartan fühlt sich ja gruselig noppig/rippig oder wie auch immer man das beschreiben will an. Kenne ich noch nicht, ich bin noch nie Barfuss auf einer Tartanbahn gelaufen, muss ich wohl mal für ein paar Runden wo nachholen. Und ab geht es durch das Ziel. Der Einlauf ist immer wieder nett, besonders Mucke und Licht im Tunnel!

Nach dem Ziel treffe ich eine nette junge Dame mit Triathlon-Vereins-Oberteil, sie sagt mir ein “Herzlichen Glückwunsch dem Barfussläufer”, ich bedanke mich artig. Habe in der Tat keinen anderen gesehen, immerhin zwei VFF Läufer sah ich! Nach der Treppe hoch raus aus dem Stadioninneren und einem Bierchen (beim Big 25 und Grand 10 gibt es immer Berliner Pilsner mit Alkohol) danach trete ich erwartungsschwer zur Abholung meines Kleiderbeutels an und male mir das Suchen aus. Aber weit gefehlt, man hat dort tatsächlich die Beutel alle ordentlich aufsortiert und über mehrere Bereiche verteilt. Das Abholen dauert viel weniger lange als das Abholen, im Nachhinein dann gut gelöst!

Ein schöner Lauf, der sehr gut Barfuss zu bewältigen ist. Der Einlauf in das Olympiastadion ist dann auch der Grund warum ich nächstes Jahr wieder dabei bin. Dieses Mal buche ich aber früher, damit ich nicht ans Ende muss. Ach ja, die Zeit – 2:10 gab es diesmal, für meine ersten 25 Asphalt-km Barfuss finde ich das völlig in Ordnung.

Das beste zum Schluss, es gab keinerlei Fußschäden. Die Blasen aus dem März sind offenbar nunmehr ausgestanden und der Laufstil stimmt auch wieder!

Als nächsten Lauf werde ich nach dem Stand der Dinge nächstes Wochenende einen Halbmarathon in Rostock laufen, aber das ist noch nicht final raus. Da ist jede Menge Pflaster dabei, das könnte nervig werden – aber schauen wir mal.

2 Responses

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  1. Schoener Bericht! Danke! :) Ich find die Zeit total super. :)

  2. […] Der Wendepunkt der Strecke war die Umrundung des Gendarmenmarktes. Von hier aus ging es über die Leipziger Strasse, Potsdamer Platz, am Tiergarten vorbei Richtung Kurfürstendamm. Irgendwo zwischen Wittenberg Platz und Ku’damm muss ich dann auch Jörn fotografiert haben. Jörn läuft barfuß, was mir ehrlich gesagt erst aufgefallen ist, als er sich bei mir gemeldet hat. Jörn hat hier seinen Bericht vom BIG 25 veröffentlicht. […]

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