Ein großer Vorteil des Daseins in Deutschland ist das man sich seinen Spaß im Allgemeinen selbst aussuchen darf. In meinem speziellen Fall ist das ja nun seit einiger Zeit der Ansatz meine zaghaften Laufbemühungen in Richtung des Barfuss-Laufens zu verschieben (wobei ich Barfuss mit doppel-s einfach schöner finde als Barfuß mit fiesem Umlaut).
Das klappt zwar bei mir noch nicht skalierbar aber macht einen Heidenspaß wenn man sich mal dran gewöhnt hat. Es ist nötig, die Haut an den Füßen – neben der Muskulatur – an die ungewohnte Belastung zu gewöhnen und so Blasen, Risse oder Löcher zu vermeiden.
Um das zu forcieren bewege ich mich seit Anfang März diesen Jahres im Alltag ausschließlich unbeschuht. Zu Hause sowieso, nunmehr aber auch im Auto, im Büro, in der U-Bahn, beim Einkaufen, im Restaurant – eben überall. Die einzige noch existierende Ausnahme ist beim Rennen, alles ab 10 km geht noch nicht ohne. Daran muss ich noch arbeiten.
Wie ist das so ? Hmm, als erstes kommt mir in den Sinn, das es einen Heidenspaß macht, die verschiedenen Untergründe die es so überall in der Stadt hat zu erfahren. Die meisten Böden fühlen sich eigentlich gut an, Berliner U-Bahnen und S-Bahnen zum Beispiel. Auch die U-Bahnhöfe sind prima. Was nicht prima ist, das ist übrig gebliebenes Streumittel an allen Ecken und Enden. Was auch nicht wirklich schön ist sind frisch gepflasterte Wege, die sind eher scharfkantig.
Spannend ist es in der kälteren Jahreszeit wie viele Restaurants über geheizte Fußböden verfügen, merkt man sonst nur nie.
Rennen auf Gehwegen geht prima, Rennen auf Asphalt geht definitiv nur mittels Ballenlauf und auch mit viel Übung sonst gibt es eben keine Haut mehr unter den Füßen oder abgeschliffene Fersenenden.
Was definitiv unangenehm ist das ist grober Schotter – das was derzeit zB die Wasserbetriebe in Berlin am Havelufer am Grunewald auskippen um den Weg zu verbessern, das hilft echt nur für den Einsatz von LKW. Menschliche Füße sind dafür ganz und gar nicht geeignet, Fahrradreifen auch nicht. Was auch grauenvoll ist sind die wohl ehemals mal gepflasterten Wege in den Berliner Wäldern, da sind massenweise Pflastersteine halb verbuddelt, die ein permanentes Ausweichen unumgänglich machen. Da sind Straßen oder Gehwege angenehmer.
Im Umgang mit anderen Menschen hatte ich bisher noch keine Probleme, ob dies nun in Restaurants, beim Notar und Anwalt, im Läden inkl. KadeWe oder in der U-Bahn war – ich werde zwar ab und zu mitleidig belächelt aber auch hin und wieder auf das Thema angesprochen von anderen Menschen die sich für die Gründe interessieren (der am häufigsten – und fälschlicherweise – vermutete war bisher religiöser Art, spannend).
Mit dem Rennen ohne Schuhe klappt es auch immer besser, die größte Herausforderung ist dabei derzeit noch die Kälte inbesondere in frühen Morgenstunden. Da steckt dann gerne mal ein Stein im Fuss und man merkt es nicht, das tut dann nicht so gut. Es hilft aber wenn man ab und zu mal die Steine mit der Hand kurz von den Fusssohlen wegfegt.
Nächste Woche laufe ich den Vienna City Marathon (mit Schuhen, noch komme ich keine 42km weit ohne Schäden wenn ich die Schuhe weglasse). Danach werde ich dann den schuhfreien Lauf weiter forcieren, mein Nahziel ist es den 13.6km langen Havellauf im Juli 2011 barfuss zu laufen.
Die derzeit von mir zum Rennen genutzten (und das geht jetzt auch gnadenlos ohne Socken ohne das da was reibt, Hornhaut hat Vorteile) Asics GEL-Hyperspeed 4 sind prima. Ich laufe die jetzt seit 800 km und sie scheinen unverwüstlich zu sein. Einziger Nachteil ist, das sich da gerne Steine rein schummeln die so auf der Strecke rumliegen .
Ich mache weiter. Für den Wien-Besuch nächste Woche werde ich nur die Laufschuhe im Gepäck haben, keine anderen. Mal sehen wie die Österreicher damit umgehen
Immerhin gibt es am Flughafen dann nichts an meinen Füßen extra zu scannen, aber schauen wir mal ob man es nicht doch versucht.

[...] neulich angekündigt verbrachte ich das Wochenende des 17. April 2011 in Wien, um den dortigen Marathon zu laufen. Für [...]