Nach doch einigen Monaten und in Summe einigen hundert Kilometern Übung (bisher allerdings nie mehr als ein Halbmarathon am Stück) mit den FiveFingers Barfuss-Schuhen in so ziemlich all ihren Ausprägungen (Classic
, KSO
, Sprint
,Trek
und Flow
) mit vielen positiven Erlebnissen und auch der ein- oder anderen kleineren Verletzung stellt man sich dann als experimentierfreudiger Läufer doch die Frage wie das nun wäre, wirklich Barfuss zu laufen. Also ganz ohne vom Boden isolierndes Schuhwerk. An das Gepieke der kleinen Steine hat man sich ja in den FiveFingers schon ein wenig gewöhnt und ich bin dann auch ab und zu mal zum Briefkasten und in den Garten raus gegangen, um mal zu schauen wie sich so nackte Füße auf den verschiedenen Untergründen so anfühlen.
Irgendwann kommt dann der Punkte, da will man es dann doch wirklich wissen. Was tut man also, man wartet bis die Temperaturen draußen über den Gefrierpunkt steigen (was sie dieses Jahr in Berlin anscheinend nicht wirklich wollen), zieht sich seine dem derzeitigen Wetter angepassten eher warmen Laufklamotten inkl. Mütze und lange Hosen an und geht dann einfach – ja einfach nur Barfuss, also mit-ohne Schuhe eine langsame Runde laufen. Kam mir schon ein wenig merkwürdig vor, so mit nackten Füßen vor die Tür zu gehen. Aber Scheu ist für andere
Das erste Mal macht man das dann wirklich langsam und kurz, in meinem Fall waren das dann mal 1.5 Kilometer in einer 6:30er Pace. Die Hälfte davon Bürgersteig, Straße und die andere Hälfte Waldboden, Wurzeln und Kienäppel. Das Spiel mit dem auf den Boden gucken beherrscht man ja schon von den Fivefingers, insofern bleiben mir Überraschungen unangenehmer Art erspart. Mit meinen Fivefingers hab ich sogar damals nur gut 800m beim Erstversuch gemacht.
Danach gab es ziemlich dreckige Fusssohlen, erstaunlicherweise keine Schäden an diesen und ziemlich kribbelnde Füße. Das Kribbeln war vermutlich den gerade einmal 2 Grad Luft und vermutlich noch gut 0 Grad Bodentemperatur geschuldet. Und das gute Gefühl das man weder auf der Stelle verhaftet noch komisch angemacht wurde !
Zwei Beobachtungen machte ich dann aber doch die einen bleibenden Eindruck hinterließen – Zum einen, ich bin geübter FiveFingers-Läufer, aber am nächsten Tag taten mir nach den lächerlichen 1.5 Kilometern die Waden weh wie beim ersten Laufversuch in Fivefingers. Es gibt da doch noch einen himmelweiten Unterschied im Aufsetz- und Abrollverhalten. Zum anderen, die verschiedenen Untergründe haben so ganz ohne Abschirmung doch noch einen besonderen Reiz, selbst kleine Steine oder das noch in großen Mengen auf dem Boden vorhandene Streugut lösen teilweise angenehme Empfindungen aus – teilweise auch unangenehme, das sei nicht verschwiegen.
Mich hat es überzeugt, ich werde diesen seit der Lektüre von Born to Run
im Kopf spukenden Pfad weiter beschreiten und in kleinen Schritten meine Füße daran gewöhnen. Hoffentlich steigen die Temperaturen bald und Läufe über 20 Minuten werden möglich, denn derzeit ist das bei alltäglichem nächtlichen Bodenfrost das Maximum was drin ist bevor ich nicht mehr merke worauf ich trete und dann wird es gefährlich. Dann steckt wie gerade passiert ein Stückchen Streugranulat
im Fuß und man merkt es nicht einmal bis zu Hause beim auftauen.
Ich gönne mir zusätzlichen den (eigentlich nicht notwendigen) Spaß die weitere Gewöhnung daran voranzutreiben, indem ich wann immer möglich den Alltag Barfuss bestreite. Klar, das geht nicht immer und jeden Tag – insbesondere dort nicht wo es unangebracht oder gesellschaftlich nicht akzeptiert ist und derzeit auch (noch) nicht bei langen Läufen. Spaß macht es aber jede Menge und man lernt definitiv die Notwendigkeit sich eher häufig die Füße zu waschen
Ach ja, der beste Kommentar den ich bisher von einem Passanten zugerufen bekam war: “Junge, haben sie Dir die Schuhe geklaut ?” – meine Antwort war: “Danke, Ist mir noch gar nicht aufgefallen !”